Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 680 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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680 Erziehungsfragen. leiht. Dies scheint zunächst noch nicht der Thora selbst zu dienen, kann aber doch mittelbar den Boden empfänglich machen. Ich verhehle mir nicht, daß bei den jetzigen Schul- Verhältnissen in Deutschland nicht viel zu verwirklichen ist. Nur der Kindergärten und die durch geschickte Reformierung des Stundenplans zu bewerkstelligende Einführung des Hebräisehen als Sprache scheinen mir bald realisierbar. Für alles weitere d. h. also vermehrtes Talmudstudium in Überführung mancher Stoffe besonders aber des Formalen, der philosophischen Propädeutik, allgemeinen Geschichte, Literaturgeschichte in das hebräische Gebiet bedarf es einer wesentlichen Änderung unseres Lehrplans, für den bisher kein Kultusministerium zu haben gewesen wäre. Doch mag vielleicht die deutsche Revolution uns zu der Hoffnung berechtigen, daß wir für uns eine gewisse Kulturautonomie erzielen können. Es ist ja so traurig und kläglich, daß beinahe in jeder jüdischen Zeitung allwöchentlich von Autonomieforderungen für den Osten gesprochen wird, aber kaum ein einziger anßer den Zionisten den Mut hat, Autonomie für Deutschlands Juden auf einem Gebiet zu fordern, wo kein Chauvinismus treibt sondern nur tiefes, heiliges Streben. Da könnte eine Volksregierung leicht Dank ernten. Wie wäre es, wenn die deutsche Orthodoxie als erste Gruppe in Deutschland diese Forderung erhöbe und der Vertiefung und Erneuerung des Schulwesens ihre Kraft widmete? Dies würde nicht nur unseren eigensten Zwecken dienen, sondern unsern Kredit heben. Eine wesentliche Mitwirkung an der Hebraisierung kann endlich dem Geschichtsunterricht zukommen, wenn er die ausgetretenen Pfade der Chronistik und Biographie verläßt und das .wesentliche der jüdischen Geistesentfaltung zu enthüllen sucht. Es genügt z. B. nicht in der spanischen Epoche den Rambam, den Ibn Esra und R, Nissim u. a. zu erwähnen und ihre Werke aufzuzählen, wie es doch wohl meist geschieht. Man kann auch in kurzen Worten einen verständlichen Abriß von der Eigenart einer jeden Persönlichkeit und ihres Schaffens