Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 679 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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679 Erziehungsfragen. Um nicht mißverstanden zu werden, will ich betonen, daß ich es nicht unerläßlich halte, daß unsere Jugend sich die neuhebräische' Literatur ganz zu eigen macht. Nur glaubte ich darauf hinweisen zu müssen — da es bei uns kaum ein anderer getan hat — daß in hebräischer Sprache manches Werk geschrieben ist, das besser oder ebensogut wie die Literatur manches anderen Volkes werdende jüdische Menschen mit den Mächten des Lebens vertraut macht und ihnen obendrein die Schönheit der Sprache und die LTbung in ihr gibt. Muß ich erst ausdrücklich hervorheben, daß ich es lieber sehe, daß der religiös-poetische Geist unserer begnadeten Dichter, immer Jehuda Halevy an der Spitze, unseren Lernenden erschlossen wird? Noch weniger brauche ich wohl zu bekräftigen, daß keiner dieser ״peripherischen“ Gegenstände die eigentlichen Fächer des Unterrichts, תנ״ך und תלמיד verdrängen darf. Wäre unser Erziehungssystem noch harmonisch und einheitlich, wäre Form und Inhalt des Unterrichts, wie im Osten so auch bei uns, zusammengehörig d. h. jüdisch, so brauchte man sich wohl nicht so sehr nach Ergänzungen umzuschauen, obgleich selbst für die Jünger einer Jeschiwah Poesie kein rotes Tuch sein muß. Ich weiß übrigens durch einen Schüler der Slobodker Jeschiwah, daß auch dort den Bechurim neben der Halacha noch einiges bekannt ist. — Aber es ist die tragische Schuld der westeuropäischen Judenheit, daß der Abfall von der ungetrübten jüdischen Kultur sie jetzt nötigt, die Rückkehr zum alten Ideal nicht einfach auf dem Wege gesteigerten Talmudstudiums zu vollziehen. (Wer sich dazu entschließt, seine Kinder lange an die Stätte des Thorastudiums zu schicken, der wählt freilich den besten Weg; hoffentlich wird er viel begangen werden)• Unser an Fremdes gewöhnte Geist verlangt weiter Nahrung für seine vielseitigen Bedürfnisse. Da kann die ganze Kunst und Arbeit weitschauender Männer nur darin bestehen, auch diese dem weltlichen zugewandten Interessen in das jüdische Erziehungswerk einzubeziehen, sie gewissermaßen zur Peripherie der intensiven jüdischen Erziehung zu machen, indem man Sprache, Stoff und Geist dem jüd.-hebräischen Kulturgut ent- ץ