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Jeschurun · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 671

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 671 (sequence 63)
Language
German
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Über die Entstehung falscher Minhagim. 6^! ״Unser Minhag ist, nicht, wie an andern Tagen, die Thorarolle auf die Bimo zu legen, sondern einer der Synagogenbesucher hält sie auf seinen Armen. Man hält die Thoravorlesung auch nicht an der Stelle, an der sie sonst stattfindet, damit andeutend, daß gleichsam die Schecbino mit Israel ins Goluth ging. Man kann auch den Minhag damit begründen, daß der Tischo beaw dem Owel gleichet und wie vom Owel gesagt ist, daß er in der ersten Woche nicht ausgehen darf, aber seinen Platz verändert, deshalb ändert man auch den Ort der Thora während der Vorlesung am Tischo beawu. Der Minhag Sephardim scheint dies übrigens bis auf den heutigen Tag beibehalten zu haben, daß nicht auf dem Almemor die Thora- Vorlegung stattfindet, sondern daß der Chason die Thorarolle auf seinem Arme hält. ואוחז החזן בפר תורה בזרועו ואומד (vgl. Seder Tephillo keminhag kak hasephardim, Amsterdam 5491 'S. 94b). Beim Ausheben der Thorarolle wird eine קינה gesagt, welche mit den Worten beginnt: על היכלי אכבה יומם *לילה. Und während der Chason dieselbe auf seinem Arme hält spricht er ein Klagelied, beginnend במקום אשרי העם איכה זהב ייעם, in welchem ein Satz enthalten ist, der unsern Minhag begründen dürfte ומעל ארון דחינו גלתה שכינה לחרפתינו. Hier erscheint uns der Minhag in ganz anderem Lichte und sicher mehr berechtigt als in der Perm wie er von Dewar Schemuel und Birke Joseph mitgeteilt wird. In einer mährischen Gemeinde war es Minhag. daß beim Bausch Chaudesch benschen sich die ganze Gemeinde — wie bei קבלת שבת — umdrehte Eine Begründung kannte man dafür nicht, bis gelegentlich einer Renovation der Synagoge man entdeckte, daß auf der Westwand der Synagoge der יהי רצון stand, der im Laufe der Zeit übertüncht worden war. Noch einen in der Provinz Posen vielfach uns begegnenden und sicher auf Irrtum beruhenden Minhag wollen wir mitteilen. Nach Schulchan Aruch (Orach Chaim 559,10) geht man am Tischo beaw auf das Beth hakworauth. Dieser Minhag wird in der Provinz Posen fast allgemein beachtet, in einzelnen Gemeinden wird jedoch behauptet, daß man bei diesem Besuche

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