Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 670 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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670 Über die Entstehung falscher Minhagim. im Laufe der Zeit zum ständigen Minhag1)“. Und dieser infolge des Mangels an dem vollständigen Texte eingetretene Notbehelf wurde im Laufe der Zeit als feststehender Minhag angesehen und erscheint als solcher im Minhag Worms. Noheg Kazaun Jauseph 48 a zitiert diese Stelle des Chawath Jair und bemerkt dazu וזהו טעם כללי לבמה שינוי מנהגים שאין להם מובן. Weniger harmlos scheint uns ein Minhag in Sevilla zu sein, der gleichfalls auf einen Irrtum, respektive auf einer Ver- Wechslung beruht. Pachad Jizchock 1360 s. מנהג schreibt מנהג אנשי סיבילייא שלא לאבול בשד בימי אבלות, was nach dem Din (Jore Dea 378.9) selbst bei Seudas Hawrooh gestattet ist. Dieser Minhag begegnet uns auch öfters in der Provinz Posen. Dort wußte man allerdings nichts von dem Din, daß dem אונן der Fleischgenuß verboten ist. Liegt hier nicht die berechtigte Vermutung vor. daß man die Vorschrift von אנינות irrtümlich auf אבלות übertragen hat und den Din bei אנינית nicht berücksichtigt hat? Auch beim folgenden Minhag. den ש״ות דבר שמואל 249 mitteilt, dürfte sicher ein auf Irrtum beruhender Minhag vorliegen. Danach war es Minhag am Tischo beaw das Sefer Thora auf den Rücken eines Mannes zu legen und während der ganzen Thoravorlesung in dieser Lage zu lassen. Dewar Schmuei ״findet diesen Minhag — ebenso wie andere vor ihm — unbegreiflich, kann aber seine Zustimmung zur Abänderung nicht erteilen, da sicher eine Begründung dafür vorhanden ist“. Auch Birke Joseph (Orach Chaim 559,4) berichtet von diesem Minhag und dessen Gegnern, kommt aber gleichfalls zum Resultat diesen Minhag nicht aufzuheben, da R. Israel Salomo Lengo in seinen handschriftlichen Responsen einen שרש für den Minhag kennt und R. Michael Jachia ihm zugestimmt habe. Trotz alledem haben wir es mit einem Minhag zu tun, der infolge eines Irrtums diese Gestaltung erfahren hat. Der 60 תניא und 279 ״שבלי הלקט berichten uns die ursprüngliche Form des Minhag und seine Begründung. 1J Herr Professor Dr. Brann in Breslau macht mich nachträglich, auf Zunz Bitus S. 143 aufmerksam, wofür ich auch an dieser Stelle danke.