Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 656 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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<6$6 Der Völkerbund im Liebte des Judentums. hältnisse — getragen sein müssen »von jenem Glauben, der sich stets erhöhter bald kühn hervordrä ngt — bald geduldig schmiegt!“ Aber noch ein Einwand sei zum Schluß gestreift. — Sollen und dürfen wir Juden die wenigen Kräfte, die wir haben, an Aufgaben setzen, die außerhalb des Kreises der eigenen Gemeinschaft liegen, die von anderen ebensogut gelöst werden können? Sollten wir nicht vor allem unser Können zusammenraffen zur Stärkung der religiösen Gesinnung in der eigenen Mitte und zur Lösung der Volksaufgaben, die das neuerstehende Gemeinwesen im Lande der Väter an uns stellt? Man schelte das nicht nationalen Egoismus. Den Vorwurf verdienen wir Juden nicht — vielleicht zu wenig! Von zu vielen unserer er bedeutenden Persönlichkeiten gilt das Wort des Hohen Liedes: Meinen Garten hab7 ich nicht gepflegt! Und gilt das Wort Hilleis: »Wenn ich nicht für mich bin — wer denn?“ nicht gerade auch von Völkern? Und doch: wir müssen Hillels Wort weiter lesen: „Und wenn ich nur für mich bin, was bin ich dann!“ Das ist nicht modern ausgeklügelter Missionsgedanke: das ist biblische Lehre! Es war am Ende des babylonischen Exils. Mit wuchtigen Hammerschlägen zertrümmerte Kyros den Bau des asiatischen Großreichs. Auch die Juden wurden frei. Unsagbarer Jubel schwellte ihre Brust. Hatten nicht die Heiden, hatten nicht die Schwachgläubigen in der eigenen Mitte gemeint,' Gott habe sein Volk verlassen, seinen Untergang beschlossen! Und nun die herrliche Wiederherstellung seines Rechtes, das Zeichen der ewigen göttlichen Liebe! Zweifeln wir, daß es auch damals viele gab, die vor den Sonderaufgaben und Hoffnungen der eigenen Gemeinschaft den Blick verloren für die Welt und ihre Sorgen? Aber an eben diese wendet sich das Gotteswort, das mehr als bloße Wiederherstellung verheißt. „Zu wenig ist mir\ daß du mir Knecht seiest, aufzurichten die Stämme Jakobs und die Gefangenen Israels zurückzuführen: ich mache dich