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Jeschurun · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 655

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 655 (sequence 47)
Language
German
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Der Völkerbund im Liebte des Judentums. 655 möglich ist aber, daß an irgendeinem Tage (sagen wir: am 1. Januar 1919) in ganz Deutschland kein Mensch stirbt. Wir wissen nicht, wer sterben wird; aber niemand von uns zweifelt, daß an diesem Tage eine große Anzahl von Todesfällen in jeder deutschen Großstadt erfolgen wird. Ich will in diesem Falle von einer statistischen Unmöglichkeit sprechen. Angenommen nun, eine ärztliche Komission arbeite darauf hin, nach Möglichkeit das Vorkommen von Todesfällen im ganzen Jahr 1919 zu vermeiden^. Falls sie sich mit Näherungsergebnissen zufrieden gibt, könnte ihre Tätigkeit nicht als utopisch gelten, sondern von größtem Segen werden — wie unter der gleichen Voraussetzung unser Streben nach Sündenfreiheit1). In dieser Begrenzung gilt das Wort: Den lieb? ich, der Unmögliches begehrt! In gleichem Sinne muß es auch von den Friedensbestrebungen gelten, auch für den, der die Schwierigkeiten der Friedensarbeit noch erheblich höher einschätzt als ich selbst es tue. Das erste der Noachidengebote ist: Gerichtshöfe einzusetzen. Unsere Weisen haben mit seiner Formulierung nicht gewartet, bis sie sicher sein konnten, daß jeder Richter gerechtes Urteil spricht und jeder Verbrecher sich dem Spruch fügt. Ein Gerichtshof ist immer besser als Gewalt. Und ich wage zu bekennen, daß unter dies für alle Menschen geltende Gebot die Verpflichtung zur Einrichtung obligatorischer Schiedsgerichte, wenn nicht juristisch (worüber mir kein Urteil zusteht), so doch moralisch zu fallen scheint. Und wenn es einem Schiedsspruch gelänge, auch nur einen Krieg zu vermeiden oder seine Ausdehnung zu begrenzen, — schon das genügte, um zu zeigen, daß der Pazifismus mehr ist als eine unfruchtbare Utopie! Es kann nicht meine Aufgabe sein, Richtlinien für die jüdische Friedensarbeit im einzelnen zu bezeichnen. Sie wird — stets unter Berücksichtigung der besonderen Ver- *) Denn daß es sieb auch Mer um „statistische Unmöglichkeit“ handelt, ist leicht zu zeigen.

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