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Jeschurun · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 654

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 654 (sequence 46)
Language
German
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654 Der Völkerbund im Lichte des Judentums. haben. Unser Vaterland selbst ist durch das Leiden des furchtbaren'Krieges für den Verständigungsgedanken reifer geworden: der Speer scheint die Wunde zu heilen, die er geschlagen* Auch wenn — was die Vorsehung verhüte — ein Gewaltfriede augenblicklich in Deutschland die innere Zustimmung zur Herbeiführung eines dauernden Friedenszustandes nicht aufkommen lassen sollte, grundsätzlich wird man pazifistischer gesinnt sein. Sollen wir müßig stehen, wenn die Friedensfreunde dies Ergebnis — das einzige erfreuliche des traurigen Ringen — auszuwerten suchen für die Gesundung der deutschen Volksseele? Man hat es gefordert; denn der ewige Friede sei, solange nicht alles Böse aus der Welt ausgerottet ist, unmöglich. Und Mitarbeit an Unmöglichem zu verlangen, widerstreite dem Geiste des Judentums, dessen Anforderungen an unser Fühlen und Handeln schwer, aber nie undurchführbar seien1). Den Zusammenhang zwischen dem sittlichen Fortschritt und dem ewigen Frieden verkennen auch wir nicht. Die Zeit, in der die prophetische Hoffnung sich erfüllt, daß volle Gerechtigkeit im Leben der Völker wie der Menschen herrsche, scheint auch uns nach menschlichem Ermessen weit entfernt. Ist aber darum die Bekämpfung des Glaubens an das Recht der Gewalt weiter nichts als die Förderung einer Utopie? Ich glaube, wir dürfen das Problem weiter fassen. Ist es denn richtig, daß das Judentum nie Unmögliches von uns verlangt? „Reinheit der Hände und des Herzens“ — ist das ein Kranz, der sich im Spazierengehen erreichen läßt? Was. unseren Größten nach dem Zeugnis der Bibel nicht „möglich“ war — sollten Zwerge dessen fähig sein? Aber das weiß mein verehrter Gegner natürlich auch. Es ist ihm gewiß auch bekannt, daß neuere Untersuchungen zwischen zwei Arten der Unmöglichkeit unterscheiden. Kein Arzt wird sich bemühen, einen zweifellos Verstorbenen wieder ins Leben zurückzurufen. Das ist „unmöglich“. Ebenso un- *) Wohlgemuth, Der Weltkrieg im. Lichte des Judentums 133.

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