Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 653 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Völkerbund im Liebte des Judentums. 653 und Leugnern der „rechten Lehre“ innerhalb und außerhalb der Bekenntnisgemeinschaft. Möge der Menschheit und insbesondere unserem deutschen Vaterlande das schwere Schicksal erspart bleiben, erst aus furchtbarem Kampfe lernen zu müssen, daß die sozialen Gegensätze so gut wie die politischen nur überbrückt werden können, wenn auch im gesellschaftlichen Leben der Kechtsge danke des Judentums die Gewalt, von welcher Seite sie auch geübt werde, überwindet! Können und dürfen nun wir Juden heute mitarbeiten an den Bestrebungen, diesem Reehtsgedanken im Völkerleben zum Durchbruch zu verhelfen? Die Krage kann nur der praktischen Arbeit gelten. Daß der Jude diese wie jede andere Frage der Lebensanschauung im Lichte seines Glaubens zu betrachten berechtigt und verpflichtet ist, bestreitet niemand. * Uns interessiert das Problem als solches: “OtP Em Und in einer Zeit, in der an Stellenaiver Gebundenheit ein schrankenloser Radikalismus zu treten droht, ist es Pflicht der Religion, deutlich auszusprechen, was ihr an der augenblicklich zurückgedrängten Lebens- und Staatsbetrachtung fehlerhaft erschien, zugleich aber dem Idealismus gerecht zu werden, den sie enthielt, und zu zeigen, welche neuen Betätigungsfelder ihm geboten werden können. Als kleiner Beitrag zu dieser Aussprache, die sich unbedingt auch auf die soziale Frage erstrecken muß, wird unsere Untersuchung vielleicht gelten dürfen. Aber „lernen, lehren, üben“ — das sind Begriffe, die der- Jude ungern voneinander trennt. Wir „schwärmen“ nicht gern für eine Idee: wir suchen für sie zu arbeiten. Ist das in diesem Falle aber möglich? Kein Zweifel: wenn es möglich ist, dann erst seit kurzem. Der jüdische Staat des Altertums hat eine ebenso militaristische Politik geführt und führen müssen wie seine Nachbarstaaten. Im Mittelalter fehlte den Juden jeder Einfluß auf die Politik — und das Mittelalter hat für die Juden lange, gar lange gedauert. Inzwischen ist aber die Welt im allgemeinen der Friedensidee weit näher gerückt, als wir in Deutschland gewußt