Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 652 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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652 Der Völkerbund im Liebte des Judentums. unserem Schrecken erfahren, daß hierzu das gründliche Vokabellernen nicht genügt — solange ein einseitiger Machtwille uns hindert, uns in das Empfinden fremder Völker zu versetzen, ihr Leid aus unserem Leid zu verstehen, wie das biblische Gesetz über den Fremdling es verlangt (s. o.). — Ich habe von fest überzeugten Pazifisten gehört, daß auch der Dauerfriede, dessen Herannahen sie bestimmt erhoffen, für die Menschheit neben starker. Erleichterung auch ernste Verwicklungen und peinlichen Zwang bringen werde. Je deutlicher man sich seine Durchführungsmöglichkeit vorzustellen sucht, um so wenigei4 kann man zweifeln, daß er nur dann als ein Segen wird empfunden werden können, wenn die Menschheit vom Willen zur Menschlichkeit getragen wird. Kann aber danach schon heute mit der Arbeit am Völkerbund begonnen werden? Davon in einer Schlußbetrachtung! V. Die Arbeit am Völkerbund. Unser Überblick über die wichtigsten Darstellungen der Völkerbundsidee hat uns an die Schwelle der neuesten Zeit geführt und scheint der Weiterführung durch das 19. und 20. Jahrhundert nicht zu bedürfen. Denn so gewiß die Gedanken, die heute Fried, Schücking, Kedslob, Zorn und Sinzheimer vorschweben, technisch über diejenigen St. Pierres und Kants hinausgehen (wir verweisen auf den Schluß unserer vorigen Betrachtung), neue Weltanschauungen treten in ihnen nicht zu Tage. Und das gilt durchaus auch von der sog. proletarischen Friedensbewegung, die augenblicklich in Kußland und Deutschland zu besonderer Bedeutung gelangt ist. Nach ihrem Motiv betrachtet, ist sie sowenig eine Friedensbewegung, wie der Zusammenschluß der kirchlichen Organisation im Mittelalter zu gemeinsamer Bekämpfung der Ungläubigen: sie hebt den Streit zwischen Mensch und Mensch nicht auf, sondern ersetzt nur die Schranken der Nationalität durch solche — wir dürfen auch hier sagen—des Glaubens: durch die Scheidung zwischen denBekennern