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Jeschurun · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 649

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 649 (sequence 41)
Language
German
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Der Völkerbund im Liebte des Judentums. — 649 fühlt wohl, daß schon die rechtswidrige Gesinnung öines Einzelnen die Durchführung der Eriedensidee gefährden kann: wer gibt uns also die Sicherheit, daß wir trotzdem auf sie hoffen dürfen? — Kant antwortet: „Nichts geringeres als die große Künstlerin Natur, (die) hei Erwägung ihrer Zweckmäßigkeit im Laufe der Welt, als tiefliegende Weisheit einer höheren Ursache Vorsehung genannt wird.“ Sie hat namich 1) für die Menschen in allen Erdgegenden gesorgt, 2) sie durch Krieg allerwärtshin getrieben, 3) sie durch ebendenselben in gesetzliche Verhältnisse zu treten benötigt. Der Krieg dient also der Natur dazu — daß er sich selbst aufhebe, indem er die nach Kant den Frieden begründende „republikanische“ Verfassung herbeiführt; ferner wirkt die naturgegebene Verschiedenheit der Sprachen und Religionen dem schädlichen Despotismus entgegen, und der egoistische. Handelsgeist ist an der Ausrottung des Krieges interessiert. — Aber hat wirklich, wie Kant (und nach ihm Wilson) annimmt, die republikanische Verfassung immer friedensfördernd gewirkt1)? Und so gewiß der Weltkrieg die wirtschaftlichen Motive des Pazifismus ungemein verstärkt hat, ist nicht gerade durch den „Handelsgeist“ im Laufe der Geschichte der Friede mehr gefährdet als gesichert worden? Eine Garantie, wie Kant sie verlangt, kann also aus seinen Erwägungen nicht gewonnen werden; und darum ist uns seine Fragestellung wertvoller als seine Lösung. Die Antwort der Bibel ist an früherer Stelle gegeben. Was den Propheten die — dem heidnischen Altertum fehlende — Gewißheit einer friedlichen Zukunft der Menschheit gab, ist der Gedanke, daß der Krieg von der Vorsehung nicht (auch nicht, wie Kant annahm, als technisches Mittel zur Herbeiführung des Fortschritts) gewollt ist, sonderndem Geiste der Gerechtigkeit widerstrebt, der nach Gottes Willen auch das Verhältnis der Völker bestimmen soll. Denn so gewiß sie ihren Gott auch in Natur und Geschichte fanden: sein Wille offenbarte sich l) Dagegen auch Redslob 213.

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