Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 647 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Völkerbund im Lichte des Judentums. 647 4. Die großen Denker und Dichter der deutschen Aufklärung stellen sich bewußt oder unbewußt die Aufgabe, der Naturreligion der Humanität die Funktionen zuzuweisen, die das Mittelalter dem Christentum gegeben hatte. Wenn im Zauber der Freude alle Bande der „Mode“ fallen und alle Menschen Brüder werden, wenn Christ und Jude, Grieche und Skythe in erster Reihe Menschen sind, und reine Menschlichkeit alle irdischen^ Gebrechen sühnt — wie sollte sie da nicht auch von dem Fluche des Krieges befreien? In der Tat geht Herder1) soweit, den Krieg ja, den Staat als Schöpfung des Krieges, zu verwerfen und vom Fortschritt der Humanität oder, was für ihn dasselbe bedeutet, des Glaubens Christi (nicht des Glaubens an Christus) ein Zeitalter des Friedens zu erwarten. Auf dem Glauben an die fortschreitende Humanisierung der Menschheit beruht auch diejenige Yor Stellung, die der biblischen am nächsten steht: die Vorstellung Kants2). Kant ist überzeugter Gegner des Militarismus. »Die moralisch-praktische Vernunft in uns spricht ihr unwiderrufliches Veto aus: es solj kein Krieg sein.“ Aber er verwirft sowohl die imperialistische wie die kosmopolitische Form der Völker Verbindung. „Die Natur will es anders. Sie bedient sich zweier Mittel, um die Völker von der Vermischung abzuhalten, der Verschiedenheit der Sprachen und der Religion, die . . . zum Einverständnisse in einem Frieden leitet, der nicht, wie jener Despotismus (auf dem Kirchhofe der Freiheit), durch Schwächung aller Kräfte, sondern durch *) Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit IX 4 Goethes Befürchtung (Ital. Reise II - BcL 27, 16 in Cottas Jubiläumsausgabe,) nach der Erfüllung des schönen Traumwunsches der Menschheit werde die Welt ein großes Hospital und einer des anderen humaner Krankenwärter sein, findet darin ihre Erklärung, daß Herders weiche, fast weibliche Natur, wie sie jetzt Kühnemann dargestellt hat, dem Heroismus des Kriegers nicht gerecht wurde, den-der Dichter des Götz und Egmont zu würdigen wußte. a) Die Seitenzahlen beziehen sich auf die Schrift „Zum ewigen Frieden44 (119b) in Eäre^paanns Ausgabe.