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Jeschurun · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 641

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 641 (sequence 33)
Language
German
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Der Völkerbund im Lichte des Judentums. 641 Färbung der jüdischen Friedensidee verdeutlichen wie die Erörterung ihrer Durchführbarkeit vorbereiten. Es dürfte auch dem weniger mit der Friedensbewegung vertrauten Leser von Interesse sein, sich davon zu überzeugen, daß der Gedanke an einen Völkerbund nicht etwa erst während des Krieges von manchen — meist deutschfeindlichen — Staatsmännern, u. z. nicht immer aus selbstlosen Beweggründen, aufgebracht worden, sondern in irgendwelcher Form unter den verschiedensten geschichtlichen Voraussetzungen hervorgetreten ist. 1. Das Mittelalter tritt einerseits das Erbe des altrömischen Imperialismus an. Andererseits wirkt in ihm die Idee eines Gottesstaates nach, die einer der gewaltigsten Kirchenväter zur Zeit des Zerfalles des Römerreiches entworfen hatte. So entstehen zwei Formen des Völkerbundgedankens: ein weltlicher Imperialismus mit dem Kaiser als oberste Spitze, ein kirchlicher unter der Leitung des Papstes. Den weltlichen Imperialismus vertritt kein geringerer als der große Florentiner Dante. Nach seiner Schrift „Über die Monarchie“ ist „der Friede der Weg, auf welchem die Menschheit ihrer idealen Bestimmung entgegengeht1)“. „Gut und vortrefflich verhält sich, was sich nach Gottes Absicht verhält. Und Gottes Absicht entspricht es, das alles, soweit es innerhalb der Grenzen seiner Natur es vermag, Gott ähnlich werde; denn es heißt: „Wir wollen einen Menschen machen nach unserem Ebenbilde“. Aber die Menschheit wird Gott um so ähnlicher, je mehr sie eine Einheit ist; denn es heißt: „Höre, Israel, der Herr, dein Gott (so!), ist einer!“ „Also ist die Menschheit dann Gott am ähnlichsten, wenn sie einem Fürsten untersteht“ (De mon. I 8). Dieser Fürst ist der Kaiser. Er gebietet über den Erdkreis. Er bindet die Herrschaften, die über den einzelnen Völkern eingesetzt sind, durch sein höchstes Gesetz und seine höchste Richtermacht2). *) Redslob, das Problem des Völkerrechts (1917) 74 1; Kelsen, die Staatslehre des Dante Alighieri (1905) 60. 2) Redslob a. a. O. 76. 43

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