Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 635 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Völkerbund im Lichte des Judentums. in dem Papsttum eine Instanz erstand, die zu unparteiischem Pichteramt befähigt war. Aber erstlich: an Stelle der nationalen Schranken traten nunmehr die religiösen. Es zeigte sich hier, wie leider so oft auch im Judentum, daß die Pose der religiösen Begeisterung nicht oft wächst — ohne den Dorn des Fanatismus zu tragen. „Kein wildes Tier“, versichert schon ein Geschichtsschreiber des 4. Jahrhunderts1), „ist so wild wie die meisten Christen, wenn sie im Glauben von einander ab weichen“. Und vollends seit der Reformation hat das Interesse des Glaubens oder der Kirche so oft den Grund oder Anlaß zu den furchtbarsten Kriegen abgegeben, daß der völlig unparteiische Beurteiler die schönen Worte Erzbergers a. a. 0. 51 if. über die die durchaus friedensfördernde Tätigkeit der Päpste nicht ohne starke Vorbehalte wird lesen können. Noch wichtiger ist: eben weil das Christentum als die allein berechtigte und allein volle Seligkeit verbürgende Peligion gelten wollte, errichtete es neue, dem Altertum wenigstens in dieser Begründung unbekannte Schranken zwischen „Gläubigen“ und „Ungläubigen“, bezog die letzten Vorschriften des biblischen Zehngebots nur auf den „ebenkristen2)“ und hielt den Waffenkampf gegen die Ungläubigen für die höchste Verherrlichung Gottes3). „Kaum können sie auch anders,“ urteilte bekanntlich Lessing (Nathan V 6). Eben der Anspruch des Christentums und seiner „rechten Lehre“ auf Alleingeltung hat zu den Wirren beigetragen, unter denen die Welt seit seiner Einführung bis tief in die Neuzeit hinein erzitterte: Opfer fallen hier, Weder Lamm noch Stier, Aber Menschenopfer unerhört! Trotz dieser Menschenopfer würde das Christentum einen ungeheuren Fortschritt bedeuten, wenn das Judentum seine 1) Das Zitat (aus Ammianus Marcellinus) und anderes bei Eicken, Geschichte und System der mittelalterlichen Weltanschauung (1887)140 f. 2) Einige Belege, die sich noch vermehren ließen, bringt Eicken a. a. O. 332. 3) Eicken a. a. 0. 341.