Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 633 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Völkerbund im Liebte des Judentums. 633 Man sollte meinen, daraus ergäbe sieb die Notwendigkeit und Möglichkeit für die beiden großen Religionen, in Frieden für den Frieden zu arbeiten. Wie an der Technik der pazifistischen Arbeit Männer wie Schiicking und Sinzheimer nebeneinander führenden Anteil nehmen, so sollte es typisch sein, daß in der Zeitschrift des Stadtpfarrers TTmfrid der Stadtrabbiner Dr. Kroner das Wort nahm. So wenig wie sich das Judentum etwas vergibt durch die Anerkennung, daß die ungleich überlegene äußere Macht der Tochterreligion dem Pazifismus größere Dienste wird leisten können, so wenig braucht das Christentum das offene Eingeständnis zu scheuen, daß es die Richtung der Weltbejahung „seiner Würzelung im hebräischen Prophetismus verdankt“ (Tröltsch, Logos VI 28) und daß die Staatslehre der Reformatoren mehr am Alten als am Neuen Testament orientiert ist1). Ein solches friedliches Zusammenarbeiten, wie wir es für dringend wünschenswert halten, hat aber natürlich zur Voraussetzung, daß das Recht des Juden als Juden auf pazifistische Mitarbeit nicht bestritten wird. Leider steht es aber hier ähnlich wie bei der Beurteilung von Lessings „Nathan“, den der Dichter, wie man gemeint hat, „aus dem Schatz christlicher Bildung“ erschaffen habe. Selbst Professor Rade hat im Anfang des Krieges, wenn ich mich recht entsinne, die Stellung der Kriegstheologen daraus zu erklären gesucht, daß sie mehr am Alten Testament orientiert seien als am Neuen. Soll uns nicht der Verdacht treffen, daß wir uusere Bibel im Lichte fremder Ideen anschauen, so werden wir demnach nicht umhin können, die neuen Gedanken, die das Urchristentum gebracht hat, daraufhin zu prüfen, ob sie den Pazifismus begründet haben, ja, ob sie der Friedensbewegung eher genützt oder geschadet haben. Liszt schreibt in seinem Lehrbuch des Völkerrechts (11, Aufl. S. 12): „Das Völkerrecht ist unvereinbar mit dem Ge- 1) Das hebt mit Bezug auf die uns hier interessierenden Fragen Baumgarten, Politik und Moral, 64; 75 f. hervor.