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Jeschurun · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 632

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 632 (sequence 24)
Language
German
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632 Der Völkerbund im Liebte des Judentums. was alle Politik ohne dies Vertrauen auf Gott als den Schutz und Bürgen der Sittlichkeit auf Erdenk Damit ist in Kantischer Ausdrucks weise die Grundlage des geschichtlichen Optimismus der Propheten — zugleich das Moment angegeben, das der antiken Weltauffassung fehlt. Denn ein persönliches Vertrauen zu dem Gott der Philosophen — der Idee des Guten oder der Pronoia oder wie er sonst in den ethischen Lebensauffassungen der Hellenen heißen mochte —, dem Gotte, der selbst nur oberste Spitze eines schwankenden, von der Skepsis unterwühlten Gedankengebäudes war. ein solches Vertrauen ist in Griechenland oder gar in Pom niemals möglich gewesen. So gewinnt denn der religiöse Zug des prophetischen Pazifismus seine überragende Bedeutung. Nicht nur, daß von hier aus die Eriedensidee der Bibel ihre eigenartige Färbung empfängt: es zeigt sich vielmehr, daß dieser — dem modernen Praktiker am wenigsten naheliegende — Zug gerade für den Glauben an die praktische Durchführung des Friedensideals ausschlaggebend geworden ist. Erst jetzt, nachdem uns Motive und Eigenart des biblischen Pazifismus deutlich geworden sind, können die zahlreichen Versuche, einen Völkerbund herbeizuführen, im Lichte des Judentums betrachtet werden. III. Vom Judentum zum Christentum. Mit der Stellung der Propheten scheint auch die Stellung des Christentums zur Friedensidee bestimmt. Denn der Prophetismus ist auch ihm heilig. Mag der einzelne Christ der Bibel widersprechen, so wird er sich dieses Widerspruches bewußt sein müssen und keinesfalls die christliche Religion als solche zur Sanktion des Militarismus mißbrauchen dürfen. Mit Recht hat neuerdings von protestantischer Seite Umfrid, von katholischer Erzberger1) (Der Völkerbund, 1918, 48) gegen die „Kriegstheologie“ Einspruch erhoben. x) Vgl. auch die Forderung Liebers (Mulot, Zeitfragen des christlichen Volkslebens XX.VII, 5. 10), man solle „von dem Bismarckschen Grewaltboden auf einen, neuen europäischen Bechtsboden übertreten“.

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