Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 630 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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630 Der Völkerbund im Lichte des Judentums. :.: — ::±:. .z.:=::.r.=LT="T-:- ■ rrrrT— Wieweit die jüdische Gemeinschaft diesen Zielsetzungen seither entsprochen hat und in Gegenwart und Zukunft entsprechen soll, wird sich noch zeigen müssen. Einstweilen nur ein Nachwort, das uns die Motive der Propheten, wie wir sie zu ermitteln gesucht, erst im vollen Lichte zeigt. Der Friedensgedanke bei den Propheten schien sich uns nicht, wie der Cohenschen Schule, als unmittelbare Folge aus Monotheismus und Universalismus darzustellen1), sondern als Konsequenz aus ihrer Forderung nach Vergeistigung, des Lebensinhaltes und nach Versittlichung der Beziehungen der Völker. Finden sich nun aber diese beiden Tendenzen, wenn auch durch den Widerspruch des antiken Lebens und anderer völlig entgegengesetzter Lebenswertungen verdeckt, nicht auch bei manchen Denkern des griechischen und namentlich des hellenistischen Altertums? Ich bin der letzte, der solche Berührungen verkennt. Im Gegenteil: die Konvergenz des jüdischen und des griechischwissenschaftlichen Idealismus könnte noch viel deutlicher dargestellt werden, als es in den jetzigen Sammlungen der dicta probantia geschehen ist. Ich weiß, daß Platon, so* selbstverständlich er den Eroberungskrieg billigt, doch in der Erhöhung des wissenschaftlichen Strebens über alle Lebensziele eine Vergeistigung des Lebens verlangt; ich erwähnte schon, daß namentlich jüngere Stoiker ein Hecht der Untertanenvölker auf milde Behandlung gelehrt haben. Und ich möchte hier davon absehen, daß diese Tendenzen auch bei ihren besten Vertretern; lange nicht mit der Energie auftreten wie im Judentum, daß die Forderung der philosophischen Lebensauffassung sich nicht wie das Gebot gottgefälliger Lebensführung, an jedermann richtet und richten kann; daß die Stoa niemals das Lebensrecht des auf Gewalt aufgebauten Weltreichs verneint hat und sogar in der Stellung zu den sozialen Bewegungen (anders als der Prophetismus!) eine sehr zweideutige ’) Dagegen auch Wohlgenmth, Der Weltkrieg im Lichte des. Judentums 132.