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Jeschurun · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 629

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 629 (sequence 21)
Language
German
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Der Völkerbund im Dichte des Judentums. 629 Stellen, von denen wir ausgingen, für sich stehen oder ob die gesamte Lebensanschauung der Bibel dem Militarismus widerspricht und die Hoffnung auf einen Völkerfrieden sozusagen als notwendige Krönung fordert. Das war von vornherein zu erwarten und kann jetzt nicht mehr zweifelhaft sein. Die Lebensanschauung der Bibel ist heroisch, nicht militaristisch. Das Leben ist auch hier, wie dem Militarismus in seiner edelsten Fassung, der Güter Höchstes nicht. Aber die „höheren Güter“ sind andere als die des Militaristen. Die Bibel findet sie auf dem sittlich-religiösen'Gebiete, einschließlich des sozialen, das von den Forderungen der Religion beherrscht wird. Den „frischen fröhlichen Krieg“, der dem Leben erst seinen Inhalt geben soll, den Krieg um des Krieges willen verwirft sie. Er widerspricht der Vergeistigung des Lebenssinnes, den sie fordert. Dem Militaristen ist der ewige Friede „nicht einmal ein schöner Traum“: er nimmt dem Leben das höchste Ideal, das für ihn Wert hat. Der Prophetismus bietet unserem Streben andere, würdigere Ziele. Wie die Spannung im Leben des Einzelnen, ohne die es freilich schal und leer wird, aus dem Geistigen kommen soll, so regelt der Geist, die Idee des Rechtes, die Beziehungen der Völker. Wahrend der Militarismus völkerrechtlich auf der Stufe der Rechtlosigkeit stehen bleibt, die für das Privatleben seit Hammurabi überwunden ist, so überträgt die Bibel nicht nur die Grundforderung der Gerechtigkeit auf das Zusammenleben der Völker, sondern sie gibt dem methodischen Grundsatz der Nächstenliebe, wie ihn Hillel dem Heiden erklärte, völkerrechtliche Geltung; sie fordert Achtung des fremden Rechtes nicht aus kalter Legalität, sondern aus lebendigem Einfühlen in das Schicksal des anderen — in Erinnerung an eigenes Leid. Einer solchen Lebensanschauung kann die Gegenwart nicht genügen. Sie kann sich erst zufrieden geben, wenn die Vergeistigung und Versittlichung des Einzellebens und des Völkerlebens durchgedrungen und das Zusammenleben der Menschen und der Völker auf das Recht gegründet ist.

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