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Jeschurun · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 628

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 628 (sequence 20)
Language
German
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628 Der Völkerbund im Liebte des Judentums. zu nrsj) eher unserem Gastfreund entspreche: im Ergebnis ändert sich nichts, da ja einem jeden, der sich, wie die Juden in Ägypten, dauernd in einem fremden Lande aufhält, Begriff und Recht des Ger zugesprochen werden. *Aber weit wichtiger als die Vorschrift selbst ist die Methode des Denkens, die hier gefordert wird. Antike Antisemiten haben geglaubt, von der schlechten Behandlung der Israeliten in Ägypten stamme ihr Menschenhai. Die entgegengesetzte Folgerung verlangt die Bibel: Leiden, die ihr am eigenen Volkskörper kennen gelernt habt, bereitet keinem fremden Volk! Es ist durchaus kein Zufall (geschweige denn ein Widerspruch), daß dasselbe Volk, das oft mit glühender Leidenschaft die Sühne des ihm angetanen Unrechts fordert, die Achtung vor den einst an ihm verletzten Menschenrechten von sich selbst verlangt. Und wieviel besser stünde es um Deutschland und um die Menschheit, wenn man, statt über den Begriff des Ger und die angebliche Beschränktheit des biblischen Fremdenrechts zu diskutieren, die Methode' des biblischen Denkens befolgt hätte! Aber dieselben Kreise, die 1913 an Gerhart Hauptmanns Jahrhundertfestspiel mit vollem Recht die Begeisterung für den herrlichen Idealismus der Freiheitshelden vermißt hatten zögerten ein Jahr später nicht, die Annexion nordfranzösischer Departements zu befürworten im Interesse des Geldbeutels der Großindustrie; ja, noch im Kriege begeisterte man sich an Schönherrs Tirolerhelden — und schuf in Belgien ein „Volk in Not“, das vergebens auf die Zusage seiner Freiheit wartete. Und keiner unter den vortrefflichen protestantischen Alttestamentlern, die doch aus dem Neuen Testament wissen mußten, was das heißt, Mücken seihen und Kamele verschlucken, schlug seine Bibel auf und übersetzte den Vers, wir er in unseren Tagen übersetzt werden mußte: Ihr Deutschen dürft kein Volk vergewaltigen: denn vergewaltigt wäret ihr in den Tagen Napoleons! Erst jetzt kann die Frage beantwortet werden, von der wie wir oben (S. 616f.) sagten, das Verständnis des prophetischen Friedensideals abhängt: die Frage, ob jene mesisianisehen

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