Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 627 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Völkerbund im Lichte des Judentums. 627 (Gen. 12) genommene, beweist keinesfalls etwas für die Geschichtsauffassung des Erzählers; und vollends der Hinweis ■a-uf den Untergang der Ägypter im Schilfmeer ist ganz unverständlich: Baumgarten will doch gewiß nicht sagen, daß die ägyptischen Sklavenhalter und Knabenmörder im Rechte gewesen seien! Ja, wenn er sich wenigstens auf die Unterwerfung der kanaanitischen Völker berufen hätte! Aber dazu kennt unser Theologe sein Altes Testament zu gut: er weiß, daß der Untergang dieser Völker nicht auf den naiven Machtwillen Israels, sondern auf deren sittliche Schuld zurückgeführt wird: erst wenn die Sünde des Emoriters voll ist (Gn. 15, 16), darf Israel sein Erbe antreten. Und daß der Gott der Bibel nicht nur die Sünde fremder Völker straft, sondern auch die des auserwählten — u. z. „gerade, weil er es auserwählt hat“ (Arnos 3,2) — weiß Baumgarten natürlich aus zahllosen Prophetenstellen *)• Ich will die Belege dafür nicht häufen, daß der Gott der Bibel an alle Völker den Maßstab des Rechtes und der Sittlichkeit anlegt. Kur auf eine ganz bekannte Stelle will ich verweisen, die mir noch nicht ausgeschöpft scheint. Sie steht Lev. 19, 33 f.: Wenn ein Ger in eurem Lande weilet, sollt ihr ihn nicht bedrücken; wie ein Eingeborener von euch sei euch der Ger, der bei euch weilt; du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn Gerim seit ihr gewesen im Lande Ägypten: ich bin der Ewige, euer Gott. Die gleiche Vorschrift findet sich bekanntlich Ex. 23, 9 und Deut. 11, 19. — Man hat auf jüdischer Seite gern Ger mit Fremdling übersetzt, wogegen protestantischerseits eingewandt wurde, daß Ger (im Gegensatz 2) Aus dieser Gleichheit der Maßstäbe ergibt sich auch die Gerechtigkeit und Objektivität der biblischen Geschichtsschreibung, gegenüber den Glaubens- und Volkshelden, von der Jeschurun HI 143 ff. die Rede war. Aus dem Bedürfnis, ein Recht Israels auf Palästina nachzuweisen, stammt auch der bekannte Midrasch zu Gen. 1, 1: die Thora beginne mit der Weltschöpfung, damit die Heiden nicht sagen, ihr habt den»sieben Völkern ihr Land geraubt: Gott hat die Welt geschaffen und darf über sie verfügen. 42*