Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 623 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Völkerbund im liebte des Judentums. 623 richtig formuliert hat, erhebt es die religiöse Verinnerlichung zum höchsten Sinne alles Streb ens und setzt auf ihre Gewinnung einen Preis, vor dem der Glanz kriegerischen Ruhmes und materieller Macht verblassen muß. Daher fordert Jeremia 9,22 £: Nicht rühme sich der Kluge seiner Klugheit1), der Held seiner Stärke, der Reiche seines Reichtums: sondern dessen rühme sich, wer sich rühmen will, mich zu erkennen und zu begreifen, daß ich der Ewige bin, der Liebe, Recht und Treue stiftet auf Erden; denn daran hab’ ich Wohlgefallen, spricht der Ewige. Damit ist nicht nur der Militarismus entwertet, sondern es sind auch der Kraft, die sich seither militärisch auswirken konnte, andere Kampfplätze gewiesen, da als Betätigung der religiösen Erkenntnis nicht nur andächtiges Schwärmen, sondern gutes Handeln notwendig wird. Der Mensch darf und soll im Frieden nicht verkümmern, sondern in sozialem Wirken seine besten Kräfte entfalten, die im Krieg verkümmern müßten. Wo diese Anschauungen durchgedrungen sind, ja, darüber hinaus, wo in irgendwelchem Sinne eine Vergeistigung des Lebens gefordert wird, sind die militaristischen Maßstäbe beseitigt, die Überschätzung der kriegerischen Betätigung überwunden; es ergeht solchen Wertungen genau wie den anderen Überbleibseln primitiver Roheit, wie Stiergefecht, Parforcejagd und Duell: die Geschichte hat ihr Urteil über sie noch nicht vollzogen, aber gesprochen. So viel über die militaristische Lebensbewertung. Und nun über die militaristische Staatsanschauung. Ihren Ausdruck findet sie in Aussprüchen Bismarcks wie diesem, daß die großen Fragen der Geschichte „nicht durch Reden und Mehrheitsbeschlüsse gelöst werden, sondern durch Eisen und Blut“. Und zur Erläuterung dienen Worte Treitschkes, wie *) So ist, der ursprünglichen und sehr häufig angewandten Bedeutung gemäß, ntöh zu übersetzen, vielleicht auch „Geschicklichkeit“, keinesfalls „Weisheit“ in dem uns aus der biblischen Weisheitsliteratur geläufigen Sinne des Wortes. Denn Weisheit, wie diese sie versteht und lehrt, aufgebaut auf Gottesfurcht, ist nach dem folgenden das einzige, dessen sich, „wer sich rühmen will“, allerdings rühmen darf.