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Jeschurun · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 622

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 622 (sequence 14)
Language
German
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622 Der Völkerbund im Liebte des Judentums. wo anders sucht1); an die Herrlichkeit des Mittelalters, da ein Parzival die glänzende Gestalt eines Ritters für Gott hat halten können (und sosehr weit von seiner „Tumbheit“ hat man sich nicht entfernt gehalten!), gibt unmündigen Jünglingen Prüfungsaufsätze über „Preußens Heer — Preußens Ehr’“, und nimmt im Anfang des Weltkriegs das Hohn wort Barbaren als Ehrentitel auf, da den eigentlichen Stolz des Deutschen nicht das Wirken seiner Geisteshelden ausmache, sondern „die großen Blutmenschen, die Friedrich Barbarossa, Friedrich der Große und Bismarck“. Solche Anschauungen sind mit denen der Bibel unvereinbar. So gewiß sie den Heroismus billigt, so unbiblisch und unjüdisch ist es, das Schlachtfeld als das Feld der Ehre, das Kriegführen als die manneswürdigste Betätigung zu bezeichnen. Das widerspricht nicht nur dem Gedanken, daß der Altar entweiht ist, wenn ein Schwert über ihm geschwungen wurde (Ex. 20, 22), der Weisung, daß David, weil seine Hand in Blut getaucht war, den Tempel nicht bauen darf: es widerspricht der religiösen Demut, die „nicht an Mannesstärke und Rosseslenden Gefallen findet“, und vor allem der Umwertung der Werte, die das Judentum im Vergleich zum naiven Bewußtsein verlangt: indem es das Verhältnis des Menschen zur Religion nicht, wie das Heidentum, als ein natürlich gegebenes, sondern als „aufgegebenes“ (Cohen), erst vom Gläubigen zu erzeugendes, auffaßt und fordert, daß „der geborene Jude sich erst noch zum Juden mache“, wie es Wellhausen ganz l) Wie stark diese Ideale nachwirken, zeigt die ganz naive Erzählung eines preußischen Adligen (B. von Thadden-Trieglaff in: Erinnerungen an den Fürsten Bismarck, hsg. von Brauer u. a., 1917, 127): Er selbst, bekannte Bismarck, habe sich immer sehr versucht gefühlt, an kriegerischen Unternehmungen teilzunehmen und habe schon daran gedacht gehabt, unter englischen Fahnen in Indien Dienste zu nehmen, dem Beispiele des Prinzen Waldemar folgend. „Indessen“, schloß Bismarck, „was haben mir denn die Indier zuleide getan“. Bei mir hat das G-espräch die Wirkung gehabt, daß ich 1849 bei den Schwarzenberg-Ulanen gegen «die aufständischen Ungarn kämpfte.

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