Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 621 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Völkerbund im Lichte des Judentums. 621 roismus, die in seiner Gl ei eh setzung mit demMilitari smus liegt, gegen die Überschätzung des Waffenkampfes zuungunsten des Geisteskampfes und vor allem gegen die Anbetung des militärischen Erfolges auf Kosten des Rechtsgedankens — Anschauungen, die das Wesen der biblischen Religion verfälschen und, nebenbei gesagt, sehr wesentlich dazu beigetragen haben, daß das Vaterland Goethes und Kants von seinen Feinden nicht ohne betrübenden Erfolg als die Heimat der Barbarei hat denunziert werden können. Man wird vielleicht achselzuckend sagen, diese Meinungen liegen dem Germanen eben im Blut; ihm sei, wie Esau, an der Wiege gesungen worden, daß er „mit dem Schwerte leben“ müsse; vielleicht wird man von gegnerischer Seite eine Pazifierung des Deutschen gar als eine Verjudung hinzustellen suchen. Mit Unrecht. Abgesehen davon, daß es imAltertum und Mittelalter auch nichtgermanische Kriegsvölker gab und andererseits auch in den Adern der englisch-amerikanischen Pazifisten Germanenblut fließt —.das deutsche Volk ist etwa vom 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts durchaus friedfertig gewesen; für Hans Sachs ist der Recke Siegfried (dem schon das mittelalterliche Nibelungenlied viel von seiner heidnischen Urkraft genommen hat) weiter nichts als ein unsympathischer Kraftmensch, ein Bild der Jugend „ohne Sitt? und Tugend“. Und noch als Bismarck das bekannte Wort von „Blut und Eisen“ in die Welt schleuderte, war er — nicht zum mindesten dieses Wortes wegen — der bestgehaßte Mann in ganz Deutschland. Aber der Erfolg schien ihm Recht zu geben. Und seitdem — seit 1871 — drang die militaristische Weltanschauung aus den engen Offizierskreiseil in immer weitere Schichten der „Gebildeten“ hinein. Von ehrlicher Begeisterung getragen, weiß sie die Arbeit der historischen Wissenschaft, die Schöpfungen Wagnerscher Kunst, die Eingebungen Nitzschescher Intuition zu nutzen. Man knüpft bewußt an den 'Walhallaglauben an, der die des „Strohtods” Gestorbenen ächtet; an taciteisches Germanentum, das den Krieg, wenn seine Segnungen dem eigenen Stamm versagt bleiben, irgend-