Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 618 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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(5i8 Der Völkerbund im Lichte des Judentums. Friedensbewegung nehmen kann und nach unserer tiefsten Überzeugung nehmen muß, soll sie ihren biblischen Ursprung nicht verleugnen. Es steht genau wie in der Sittlichkeitsbewegung: das Ziel entnimmt sie der biblischen Gesetzgebung, die die Unzucht verpönt (Deut. 23, 18); die Frage, wie einst-' weilen erträglichere Zustände zu schaffen sind, der Mädchenhandel zu bekämpfen ist, hat moderne Technik zu lösen, der damit gewiß eine schwere Aufgabe zufällt, die aber den Mut für die Überwindung aller Widerstände nur gewinnen kann und gewonnen hat aus dem religiös-sittlichen Glauben an die Höhe ihres Zieles. Denselben Glauben hat die Religion den Völkerrechtslehrern und Organisatoren für die Durchführung des Friedenswerkes zu liefern, die ihnen anvertraut ist. Ich bin weit entfernt, die Schwierigkeit und Bedeutung ihrer praktischen Arbeit zu unterschätzen. Eben deshalb, weil die Widerstände ungeheuer sind, kann ihnen der Sieg nur werden, wenn sie sich selbst bewußt sein dürfen, nicht nur dem Nutzen, sondern zugleich dem sittlichen Ideal zu dienen, und wenn ihnen aus der ganzen Kulturwelt, soweit die Stimme der Bibel vernommen wird, der Ruf entgegenschallt: der Krieg muß schwinden; denn er widerstrebt der Vergeistigung des Lebens und seiner Durchdringung mit dem Geiste der Gerechtigkeit, wie wir sie von den Propheten gelernt haben. Einstweilen freilich hört man's anders, auch in gläubigen Kreisen. Die Religion hat einen eigenartigen Bund mit dem Militarismus geschlossen, vornehmlich in den {[erzen jener preußischen Offiziere, die bis vor kurzem die Riesenfront von der Nordsee bis nach Bagdad meisterte mit der Genialität ihres Feldherrnblicks, der Fülle ihrer Sachkunde, der Hingebung ihres Heldenmuts. Der Glaube an den Wert des Krieges und des Kriegers steht bei den besten von ihnen, nicht unvermittelt oder gar widerspruchsvoll neben ihrer Religiosität, es kommt vielmehr zu einer religiösen Weihung des Militarismus — zu dem, was angesehene Theologen1) die „preußische Religion“ 1) Banmgarten, Politik und Moral (1916) 68 mit Berufung auf Tröltsch.