Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 615 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Völkerbund im Lichte des Judentums. 615 geradezu als ein „Volk“ zusammengefaßt, vielleicht sogar an einer dritten von einem durch Israel zu vermittelnden „Bunde“ dieses „Volkes“ gesprochen. Aber von einem Zusammenfließen der verschiedenen Nationen zu einem Völkerbrei ist nirgends die Rede: an der erstangefuhrten Jesaiastelle ist es ja ganz deutlich, daß sogar Streitigkeiten zwischen den Völkern nicht ausgeschlossen sein, sondern nur eben auf dem Rechtswege, statt wie seither durch Krieg, ausgetragen werden sollen. Wir dürfen ruhig das Bild des Propheten (Jes. 11, 9) vom Meere zu Ende denken: die Unterschiede der Völker bleiben so gut wie die des Meeresbodens, aber der eine Spiegel des religiösen Rechtswillens überbrückt sie. — Und ebensowenig beruht der Friede auf einem israelitischen Imperialismus. Gewiß erwarten die Propheten von der Zukunft auch Ehre und Anerkennung für ihr Volk, zur Entschädigung für die Schmach des Leidens, das es über das Maß eigener Schuld hinaus „um der Völker wollen“ getragen. In der Welt ihrer dichterischen Gestaltungskraft, in der Löwen Sanftmut lernen, Berge und Ströme jubeln, werden Könige die Pfleger des einst leidenden Gottesknechtes, Fürstinnen seine Ammen, Völker seine Diener. Aber abgesehen davon, daß in der jesajanischen Vision vom Gottesfrieden selbständige Völkerindividualitäten aus freiem Vertrauen vor den Richterstuhl des gottgewählten Vermittlers treten — es kann keinen schärferen Gegensatz geben als den zwischen einem Imperialismus, der naturgemäß auf der Zwangsgewalt eines einzelnen wehrhaften über alle anderen wehrlosen Völker beruht, und dem Völkerfrieden, der in nicht unmittelbar untereinander, sondern zunächst mit Gott gemeint, so von Älteren Kimchi, von Neueren Marti. Andererseits ist an der Parallelstelle 49,8 fc* m*"D^ die für Baschi maßgebend gewesen zu sein scheint, unter zweifellos Israel zu verstehen; und der Gedanke, daß der Gottesknecht zunächst Israel das Bündnis erneut um dann auch den Völkern das Licht des Heils zu spenden, wird durch 50,1 keineswegs ausgeschlossen (Marti), sondern durch 50, 1b tZtäS besonders gut verständlich.