Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 613 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Völkerbund im Liebte des Judentums. 613 II. Das Friedensideal der Propheten. Aus den Gedankengebäuden hellenischer Philosophen treten wir in die erhabenen Sphären prophetischer Vision. „Und es wird sein am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses Gottes erhaben sein über den Bergen, ragen über den Höhen, und es werden strömen zu ihm alle Nationen. Und viele Völker werden kommen und sprechen: Wohlan! lasset uns hinaufziehen zum Gottesberge zum Haus des Gottes Jakobs, daß er uns seine Wege lehre und wir seine Pfade wandeln: denn von Zion geht die Lehre aus, und das Wort Gottes von Jerusalem. Und er wird richten zwischen den Nationen und Recht sprechen vielen Völkern: und sie werden ihre Schwerter umschmieden zu Pflugscharen und ihre Lanzen zu Winzermessern: nicht mehr hebt Volk gegen Volk das Schwert, noch üben sie fürder den Krieg.“ — So wird uns in den Büchern Jesaja (2, 2—4) und Micha (4, 1—3) die Zukunft der Menschheit geschildert. Ein Richter, „von Gottes Furcht durchhaucht1)“, waltet des Rechtes in der heiligen Stadt: „Gerechtigkeit ist der Gurt seiner Hüften, und Treue der Gürtel seiner Lenden. Dann wohnt, der Wolf beim Lamme, der Panther lagert sich beim Böcklein. . . Nichts tun sie sich zu leide noch stiften sie Verderben auf meinem ganzen heiligen Berge: denn voll ist die Erde der Erkenntnis Gottes — wie das Wasser die Meerestiefen überspült.“ Ganz ähnlich hatte Hosea verkündet (2, 20): „Ich schließe euch einen Bund mit dem Gewild des Feldes, dem Geflügel des Himmels, den Kriechtieren der Erde; und Bogen und *) So wage ich. die kühnen Worte '*r (Jes. 11,3) andeutend wiederzugeben. — Die Frage, ob in den gesperrt gedruckten Worten — V. 9 dem nächsten Wortsinn nach die Kaubtiere oder die Völker als Subjekt gemeint sind, ist natürlich für uns ohne Belang, da die Begründung zeigt, was gemeint ist, und auch den Gedanken ausschließt, daß der Gottesfrieden sich nur auf die Zeit des Aufenthaltes auf dem Gottesberge beschränkte: wenn die Gotteserkenntnis friedensstiftend wirkt, so muß es überall geschehen. *