Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Über אדתר דאת בבר. 607 bestimmtes Motiv zugrunde lag. Welches dieses Motiv war will ich kurz auseinandersetzen: Das Thema hängt zusammen mit der Bestimmung der Mischna Berachot Y 3 האומר על קן צפור יגיעו רחמיך .... משתקין אותו In der Gemara werden mehrere Gründe für diese Bestimmung genannt. Nach einem Amora ist der Grund: שעושה מדותיז של הקפ״ה רחמים ואינן אלא גזרות המלך. Nach dem andern: שמטיל קנאה במעשה בראשית. Diese beiden Begründungen kommen in der Sache auf dasselbe hinaus. Ähnlich Jcruschalmi. Von der Mischna wird also die Bestimmung erlassen, daß derjenige zum Schweigen gebracht werden soll, der als Motiv göttlicher Gebote Barmherzigkeit hinstellt, das Gesetz also vernunftgemäß begründet. Nun war es den Rabbinen wohl bewußt, daß wer עושה מדותיו של הקב״ה רחמים sich in völligem Einklang mit der Schrift befindet, die unablässig die unendliche Barmherzigkeit Gottes preist, ebenso wie der Talmud nicht müde wird, Gottes Erbarmen hervorzuheben und zu feiern. Wenn also die Rabbinen hier eine Bestimmung erließen, die es verbietet, sich unter Berufung auf das Gesetz von קן צפור im Gebete an Gottes Erbarmen zu wenden, so waren sie himmelweit davon entfernt, den Glauben an Gottes Barmherzigkeit zu bekämpfen, die sein Wesen bildet, und die in seinen Geboten zum Ausdruck kommt. Nicht den Glauben an Gottes Barmherzigkeit wollten sie bekämpfen, sondern sie wollten verhindern, daß eine mißverständliche Auffassung dieses Glaubens zu Konsequenzen führe, welche die Wertschätzung und Beobachtung des Religionsgesetzes gefährden konnten. Sie bekämpften nicht den Glauben an die Barmherzigkeit Gottes an sich, sondern nur eine bestimmte Form und Formel, die ihnen als eine häretische Verkennung dieses Glaubens galt. Der Grund für die Bestimmung der Mischna ist der, daß man hierdurch sektirerischen Bestrebungen entgegentreten wollte, welche dem Judentum gefährlich zu werden drohten, gnostischen Anschauungen, welche einen dualistischen Gottesbegriff propagierten, den Begriff eines guten barmherzigen Prinzips und eines bösen unbarmherzigen Prinzips, minäischen