Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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608 Über אותר ואת בכר. Anschauungen, welche auch in die Toragesetze einen Dualisnaus hineintrugen, zwischen ethisch-humanitären Gesetzen, als den ״guten“ Gesetzen, und den spezifischen Religionsgesetzen, als den ״bösen “ Gesetzen unterschieden, nur den ersteren Geltung zuerkannten, aber nicht den letzteren. Das Fernhalten minäischer Anschauungen war das Motiv, aus dem heraus die genannte Gebetsformel von der Mischna verboten wurde. Nun kehren wir zu unserm Thema, dem Gesetz von ארחו ואת בנר zurück. Die Unterlassung einer Umzäunung dieses Gesetzes hängt mit den erwähnten häretischen Strömungen zusammen, welche nur die ethisch-humanitären Gesetze gelten lassen wollten, die spezifischen Religionssatzungen aber als minderwertig betrachteten. Die Rabbinen brachten dadurch, daß sie אות' ואה בגי, den Wortlaut des Textes entsprechend, nur bei שהיסה gelten ließen, die Abhängigkeit dieses ethischhumanitären Gesetzes von der spezifischen Religionssatzung der שהיסה sichtbar zum Ausdruck. Einige Mischnalehrer hielten an dieser Tendenz so konsequent fest, daß sie, selbst wo שהיסה stattfand, das Tier aber טרפה wurde, אותו ואת בנו erlaubten1). Daß der Unterlassung einer Umzäunung unserer Halacha das Prinzip des Fernhaltens minäischer Strömungen zugrunde liegt, kann auch aus Jeruschalmi Berach. V 3, Meg. IV 10 erschlossen werden, wo es heißt: ״Diejenigen, welche übersetzen: Mein Volk, Kinder Israel, wie ich barmherzig bin, so sollt ihr barmherzig sein. Rind und Schaf, es und sein Junges, sollt ihr nicht am selben Tage schlachten, die (so übersetzen) handeln nicht gut, denn sie stellen als göttliche Maßstäbe Barmherzigkeit hin2). l) Ähnlich verhält es sich bei כסוי דם (Chulin 85 a), das ebenfalls minäischen Anfechtungen ausgesetzt war, wie aus Chulin 84 a hervorgeht• ״Es sagte Jacob der Minäer zu Raba.“ 2j Diese Übersetzung findet sich im pal. Targum (Ps. Jon.) z. St. Vgl. dagegen Debarim rabba, Anfang Teze; Wafikra r. Emor 27. 11; Pesikta Euber S. 78b; Tossafot Megilla 25a פלפכי. Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlgemuth, Berlin. Verlag des Jesckurun, Berlin. Druck von Max Schmersow in Kirchhain N.-L.