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Jeschurun · 1918-10-01 · Heft 10 (Oktober 1918) · page 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 10 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 60)
Language
German
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604 Vau den litauischen ״Moralisten״. ״gehobene Stimmung, die der Chassidismus den frohsinnig־ temperamentvollen Ukrainern und Polen brachte, löste auch unter den Kindern des düster-ernsten Litauens eine Bewegung der Geister aus. Die theoretische Auseinandersetzung mit dem Chassidismus bewirkt eine Klärung und Läuterung der misnagdistischen Lehre selbst. Das religiöse Sueben der einsamen, haltlos in der Sehnsucht unendlichem Raum umherirrenden Seelen findet endlich einen lebendig-realen Niederschlag. Den hinreißenden Gestalten der chassidischen Heiligen treten bald aus den Reihen ihrer Gegner, der Misnagdim, erhabene Typen der Moralisten entgegen. Im misnagdischen Litauen reift ein neuer Chassidismus heran, ein misnagdischer Chassidismus sozusagen, der, mit beiden Füßen auf dem Boden der ״offenen Lehre“ stehend, den Lichtspuren des talmudischen Denkens folgt und nur die ״Moral des Herzens“ anerkennt. Mit einem Worte: ein Chassidismus, wie er in Wesen und ^Geist ganz der inneren Physiognomie des litauischen Judentums angepaßt ist. In Rabbi Chajim von Woloschin, dem Haupt der Misnagdim, erstand diesem Chassidismus sein erster ״Rabbi“. Dessen Sohn, Rabbi Izchak, berühmt durch sein großes weltliches Wissen, füllte des Vaters Platz wohl in den Halacha-Vorträgen in der Jeschiwa aus, doch keineswegs in der ״moralistischen“ Pfadfinderarbeit. Dazu war er zu sehr in öffentliche Angelegenheiten verstrickt, die ihn oft sogar nach der Hauptstadt führten. Wolosehin bleibt ein ausschließliches ״Thora-Zentrum“. Die ״einsamen Seelen“ entbehrten wieder des Mittelpunktes und flatterten ruhelos im unendlichen Raum der Sehnsucht umher. Eine Umgestaltung des jüdischen Lebens von Grund aus :ging indessen vor sich. Die letzte Teilung Polens und der Anschluß seines größten Teiles an Rußland verhalfen dem Wirtschaftsleben Litauens zu neuer Blüte. Die Annäherung Rußlands an den westlichen Nachbar bedeutet das Eindringen deutscher Bildungselemente auch in Litauen. In Schklow, dem Hauptpunkt des jüdischen Handels Litauens und Weißrußland, scharen sich um die Persönlichkeit des Rabbi Jehoschua 'Zeitlin, eines Vertrauten des Wilnaer Gaon, eine Gruppe

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