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Jeschurun · 1918-10-01 · Heft 10 (Oktober 1918) · page 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 10 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 59)
Language
German
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Von den litauischen ״Moralisten“. 603 kleine Städtchen Kapulje. Im Bet-hamidrasch dieses Ortes hörte er die Lomdim “הדושי תורה" im Namen des Ortsrabbiners vortragen. Diese חדושיס machten auf ihn einen so starken Eindruck, daß er die Überzeugung gewann, das Sluzker Rabbinat nicht übernehmen zu dürfen, da das kleinere Kapulje einen größeren Gelehrten beherberge. Erst nach dem Hinscheiden des Kapuljer Rabbiners brachte er es über sich, sein Amt anzutreten1). Zur Charakterisierung des in jener Zeit herrschenden ״Gottsuchens“ mag auch folgende Begebenheit dienen. Rabbi Elijahu Goldberg, Schwiegersohn des Rabbi Ber aus Kapulje und späterer Rabbiner von Bobruisk, der mehrere Jahre hindurch zu den persönlichen Jüngern des Gaon zu Wilna zählte, erregter. nach seiner Heimatstadt zurückgekehrt, durch sein außerordentliches Thorawissen die Aufmerksamkeit der Stadt-Lomdim. Eis rief jedoch ihr lebhaftes Befremden hervor, daß er täglich, längere Zeit dem Moralstudium widmete und sich — der Betrachtung einer aus Wilna mitgebrachten Landkarte hingab י (es war möglicherweise die vom Gaon selbst entworfene Palästinakarte!) Indessen hielt seine Frömmigkeit jegliche Verdächtigung zurück. Man sollte aber bald noch ״Unerhörteres“ von ihm erfahren. Am Jom-Kippur, nach Beendigung des Mussaf- Gebetes, war unser Rabbi Elijahu verschwunden. Man machte sich auf der Suche nach ihm. Schließlich fand man ihn im städtischen jüdischen Krankenhause dabei, wie er Holz zerkleinerte und Suppe für die Kranken bereitete. Unter allgemeiner Empörung wurde er in das Bethaus gebracht und dem Rabbiner vorgeführt. Dieser meinte jedoch: Dieser junge Mann beschämt uns Alte, denn besser als wir weiß er, wie man Gott an diesem heiligen Tage dienen müsse2). Diese Geschichte ist eine von den vielen, die den Frommen jener Epoche nacherzählt werden. Aus allen diesen Schilderungen geht der Einfluß des Chassidismus mit Klarheit hervor. Die ף Vgl. Paperna, Memoiren, (in der Sammelschrift ״Jewrejskaja Starina“). 2) Paperna, Memoiren, (in der rassischen Sammelschrift ר ״Pereschitoje* III. Petersburg 1911).

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