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Jeschurun · 1918-10-01 · Heft 10 (Oktober 1918) · page 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 10 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 58)
Language
German
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602 Von den litauischen ״Moralisten“. Diese Männer, denen die Beschäftigung mit der Thora und die peinlichste Befolgung der Gebote keine volle Befriedigung ihres religiösen Triebes bot, pflegten sich auf die Wanderschaft zu begeben, wobei sie in ziellosem Umherstreifen von Ort zu Ort überall nach dem ״verborgenen Gerechten״ fahndeten, der ihnen den Weg zur seelischen Vervollkommnung weisen konnte. Im Herzen dieser Männer glühte der unwiderstehliche innere Drang nach sittlichem Heroismus, nach seelenläuterenden und erhebenden Taten. Der Gebote und Bräuche Übung war ihnen bereits zur frohen und genußreichen natürlichen Gewohnheit geworden, ihre innere religiöse Ergriffenheit heischte jedoch Prüfungen und Opfer1). Diese einsamen, auserwählten Weltflüchtlinge, die sich von den weltlichen Dingen fernhielten und nur ihrer seelischen Erfahrung lebten, fanden nun ihren Wegweiser. Babbi Chajim von Woloschin, der erste litauische Bosch-Jeschiwa, wurde zum Meister der nach dem Worte Gottes Dürstenden, zum Führer der suchenden Seelen. Das ״Thora-Zentrum“ zu Woloschin wird nunmehr auch zum Mittelpunkt der יראה. Es bringt nicht allein ausgezeichnete Thorajünger, sondern auch Männer hervorragender Frömmigkeit hervor, deren Idealismus und sittliche Lebensführung Bewunderung erregte. Gar häufig pflegten die Woloschin-Jünger zur Zeit des Babbi Chajim Thorawissen und ״Frömmigkeit“ (צדקות) nach dem Muster ihres Meisters zu vereinigen. Typisch für diese Art ist der Babbiner von Sluzk, Babbi Josef Peimer (Vater des durch historische Arbeiten bekannt gewordenen B. Israel Böhmer), von seinen Zeitgenossen *Babbi Jossele Sluzker“ genannt. Diesem Babbiner, der zu den Größten seiner Zeit zählte und durch außerordentliche Verstandesschärfe und logische Kapazität glänzte, wird noch heute auch in sittlicher Beziehung Bewunderungswürdiges nachgesagt. Nach seiner Ernennung zum Babbiner von Sluzk kam er auf seiner Hinreise zu seiner neuen Wirkungsstätte durch das benachbarte b Die alte auch vom Wilnaer Gaon befolgte Übung des ״Goliis- Abrichten“ (עריכת גלות) dürfte aus dem gleichen Gefühlsmoment entsprangen sein.

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