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Jeschurun · 1918-10-01 · Heft 10 (Oktober 1918) · page 51

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 10 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 51)
Language
German
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* Von den litauischen ,Moralisten“. 595 des talmudischen Sittliehkeitsgeistes sind die Rabbiner bestrebt; darüber hinaus geht ihr heißes Bemühen dahin, das Talmud- Studium zum Gemeingut des Volkes zu machen1). Zu diesem Behüte leiten sie überall die Gründung von für ״Lomdim“ bestimmten “״הברות ש״ם und von ״Menorat-ha-maor״-Vereinen für ungelehrte Leute in die Wege. Alles ״lernt", alles steht unter dem Einfluß der Gelehrsamkeit, und auch der ״Am־haarez“ sieht seiner Sehnsucht Ziel in einem mit der Würde eines ״Talmid-chacham“ geschmückten Sohn oder Schwiegersohn, wodurch er in Beziehungen zu der bevorzugten Lomdiin-Klasse tritt. Es ist schlechthin kein Jude anzutreffen, sei er Kutscher oder Lastträger, dem nicht ein "ריה־תורה" innewohnt, der nicht in der Lage ist, gelegentlich ein talmudisches bon mot oder einige ״דרשות״ zum besten zu geben. So wird der Kontakt zwischen Volksmassen und Thora und der Erwerb talmudischen Wissens angebahnt und gefördert, andererseits aber auch den Rabbinern die Möglichkeit gegeben, mit dem Volksleben Fühlung zu gewinnen und den Regungen und Nöten des Volksherzens volles Verständnis entgegenzubringen. Die Beschäftigung mit den öffentlichen Angelegenheiten bewahrt sie so vor der Gefahr eines Sichverlierens im "עולם־האצילות", in der wirklichkeitsfernen Welt des reinen Geistes. Die Sorge um Zeitliches erhielt ihren Wirklichkeitssinn lebendig und kraftvoll und schärfte ihren Blick für die Zeitanforderungen. Die Rabbiner wurden so zu Menschen, deren Reich im besten Sinne von dieser Welt ist. Das Volk erfreute sich dank der Talmudbildung intellektueller Entwicklung und geistiger Reife, die es gegen jeglicher haltloser Schwärmerei und mystische Verirrung feite. Daher auch sein ausgesprochener Rationalismus. Auch die Ergebenheit gegen seine Rabbiner erwächst nicht aus der Wurzel der Blindgläubigkeit, sondern der Anerkennung ihrer geistigen Größe und sittlichen Hoheit; es ist mehr wohlverstandene Unterordnung als demütiger Gehorsam. Ein so geartetes jüdisches Milieu vermag wohl aus seiner Mitte logisch *) Tak. 241 und 362. Vgl. Feinstein דלאכין* תרב״ד. 40*

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