Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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592 Von den litauischen ״Moralisten“. Wanderungsbewegung wird den polnischen Flüchtlingen seitens der litauischen Juden ein brüderlicher Empfang bereitet, und man ist in rühmlicher Weise um ihre Versorgung bemüht. In einer Waad-Sitzung wird in erschütternden Worten der Teilnahme am Bruderleid Ausdruck gegeben; es wird zu diesem Behüte eine allgemeine Besteuerung der litauischen Juden durchgeführt und eine Anordnung getroffen, der zufolge ein jeder je einem Flüchtling in seinem Hause Unterkunft und Verpflegung gewähren müsse1). Dieses brüderliche Zusammengehörigkeitsgefühl hindert jedoch die litauischen Juden nicht daran, auf die Wahrung ihrer geistigen Eigenart und ihrer eigenen Organisationsformen bedacht zu sein. Über die Artung des geistigen Lebens jener Zeitläufte fließen sehr spärlich die Geschichtsquellen. Die Beschlüsse der litauischen Synode bezüglich der Wahlordnung zu dieser Körperschaft (Pinkas ha־medina 841/848), die strenge Fernhaltung jeglicher agitatorischen Einwirkung (ibidem 56; 59, 650) und die schweren Strafandrohungen gegen die ihre Pflichten vernachlässigenden Waadmitglieder (ib. 856), sowie die Maßnahmen zur Wahrung des Ansehens der Autoritäten und des öffentlichen Anstandes2) und der guten Sitten (133, 134), die Verordnung bezüglich der Einfachheit und Sittsamkeit der Kleidertracht (79—88)r wobei kein Unterschied zwischen Arm und Reich gemacht wird (ib. 313) gestatten jedoch einen tiefen Einblick in die Wesensart des geistigen Lebens der litauischen Juden während des 17. Jahrhunderts, dessen typische Charakterzüge bis heute erhalten geblieben sind: Charakterstärke gepaart mit moralischer Rigorosität, Lebensklugheit mit pedantischem Ernst, lebhafter Gemeinschafts־ und V erantwortlichkeitssinn, Organisationsfähigkeit und Hinneigung zu strammer Disziplin — das sind die Grundlinien des litauischen Charakters. Das den gegenwärtigen litauischen Juden auszeichnende Selbstbewußtsein *) Vgl. Takana 400 und den zitierten Aufsatz von Wischnitzer. ף!Takana 59: "לז־דבכיש את עמי־חארץ שיושבים חבורות חבורות חאיסור במשחק bezugi. des ,ומתלוצצים בחשובי חעדד! או מדברים לח״ר “1חקארטין. Vgl. Feinstein in “5מחאסין Jahrg. תרב״ד.