Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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590 Von den litauischen ״Moralisten4*. bestrebt ist1), als unantastbar. Bescheidenheit und naehsichtsvolle Güte2) paaren sich bei ihm mit unerbittlichem Eifer gegen jeden irgendwie gearteten Vorstoß gegen das Überlieferte. Der רמ״א muß sich von ihm den Vorwurf gefallen lassen, er vergeude seine Zeit mit dem Studium des fremden Aristoteles, aber auch den Tadel darüber, daß er die Pflege der hebräischen Sprache und Grammatik vernachlässige. ״Es gezieme dem Talmid-chacham, eine reine Sprache zu schreiben“3). Dieser Gaon, nach dem ״im Talmud alle Wissenschaften eingeschlossen* und ״die sonstigen Weltwissenschaften Ketzerei und Verderben“ wären4), hat, im Gegensatz zu anderen zur Philosophie hinneigenden Größen, den Mut, gegen die Entscheidung der ראשונים und גדולי האחרונים für Erleichterungen einzutreten, wenn Logik und talmudische Äußerungen dafür sprechen. Dieses von der Wesensart des ersten litauischen Gaon entworfene Bild paßt auch ohne jede Änderung auf die litauischen Gelehrtenpersönlichkeiten aller Zeiten, und, in verkleinertem Format, auf die litauischen ״Lomdim“ schlechthin. Eine derartige scharf ausgeprägte geistige Egenart verträgt naturgemäß keine Verwischung oder auch Vermischung. Unmittelbar nach der Niederlassung des erwähnten Gaon in Lublin sehen wir ihn bereits in einem Streit mit den Jüngern des Vaters des polnischen Pilpul, Kabbi Jakob Polack, verstrickt. Das Schicksal dieser genialen Persönlichkeit war auch dem litauischen Gesamtjudentum beschieden: auch in dessen Blütezeit vermochte es nicht, sich dem polnischen Judentum zu adaptieren, geschweige denn mit ihm eins zu werden. Die innere Wesens- Verschiedenheit heischte auch eigene äußere Lebensformen. Während andere Länder, Ukraine, Podolien und Wolhynien, mit dem polnischen Judentum zu einem einheitlichen politischen Organismus — der ״Vierländersynode“ — sich zusammenschlossen, legt das litauische Judentum die Tendenz zu einer *) ibidem. *) VgL .טוו״ת נמיגר״סול ס׳ י״א וזמוובות רמ״א, סר ף. ibidem.