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Jeschurun · 1918-10-01 · Heft 10 (Oktober 1918) · page 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 10 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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586 Von den litauischen ״Moralisten״. in der geringeren Stärke des lebendigen religiösen Gefühls nnd der religiösen Sehnsucht, sondern vielmehr in dem Umstand zu erblicken sei, daß der Chassidismus dem seelischen Bedürfnis des litauischen Judentums nicht in gleichem Maße entgegenkam wie dem inneren Streben der polnischen und ukrainischen Juden. Ihrem Seelenhunger verhieß die neue religiöse Strömung keine Stillung. Obgleich es, wie bekannt, der Gaon von Wilna war, der dem Chassidismus den Weg nach Litauen versperrte, so ist doch der Umstand, daß die Wirkung dieses gegnerischen Auftretens des Gaon, dessen Huf und Macht weit über die Grenzen seines Heimatsgebietes hinausreichte und in der Gesamtjudenheit zur Geltung kamen, auf den Bereich des litauischen Landes beschränkt blieb, für diese Erscheinung in hohem Maße bezeichnend. Daß Verbote und Verdammungsurteile einzelner autoritativer Stellen die Flut, den Tiefen der Volksseele entspringender geistiger Strömungen nicht aufzuhalten vermögen, dafür bietet die Geschichte der religiösen Bewegungen der Beispiele genug. Auch der ״Mussor“, an werbender Kraft der Zaubergewalt des Chassidut nicht vergleichbar, vermochte die eherne Mauer des Gehorsams zu durchbrechen. Es liegt auf der Hand, daß die Feuerlava des Chassidismus vor den gegen ihren Sturmlauf aufgerichteten Hindernissen nicht zurückgescheut wäre, hätte sie in Litauen günstigen Boden und wahlverwandte Seelen gefunden. Dies war jedoch nicht der Fall. Weder Natur noch Menschenart waren hier der neuen Geistesströmung günstig. Eine flüchtige Würdigung von Natur und Volks Charakter wird die Bichtigkeit des Gesagten erhärten. Das düstere, von Sand- und Urwaldboden beherrschte Landschaftsbild Litauens, das Fehlen von Bildungs- und Handelsmittelpunkten und die Abwesenheit jeglichen Frohsinnes und Lebensgenusses drückte dem Volke Litauens von jeher ein eigenartiges Gepräge auf. Unbekannt blieb in Litauen jener Typus des dem Prunk und Wohlleben ergebenen polnischen Edelmannes, dessen uferloses Naturell im Haschen nach immer neuen Freuden sich auslebte. Genußfrohe Großgrundherren — es waren ja vornehmlich polnische

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