Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1918-10-01 · Heft 10 (Oktober 1918) · page 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 10 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2292980-2292987--03149-3528790
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

584 Charakterbilder unserer großen Gesetzeslehrer. ist, wobei der Prophet nur die ihm abgekehrte Seite Gottes g«;sehen hat und somit auch den Knoten der Gebetriemen (קשר של תפלין); das alles is't aber nur ein geistiges Schauen im Traume, kein mit den Sinnen wahrgenommenes gewesen. In derselben Weise ist auch die Äußerung des Talmud aufzufassen, daß Gott betet und, wie ein Vorbeter in den Tallit gehüllt, an das Betpult tritt. Am Schluß bemerkt Chananael: ואלה הדברים ובל הענק קבלה למשה מסיני היה בידם ובקבלה פירשום שאי אפשר להדברים הללו להתפרש מן הדעת כלל. Wir sind somit bei ihm Zeugen eines Ringens zwischen der rein rationellen Auslegung und dem Glauben an manches für die bloße Vernunft Unfaßbare; desto bedeutungsvoller ist seine entschiedene Stellungnahme gegen Anschauungen, die Träumen oder Wunder- und Zauberdingen irgend einen Einfluß zuschreiben wollen. In scharfen Worten wendet er sich gegen jede andere Meinung, deren Verwerflichkeit er entschieden betont. So steht R’Chananael groß in seinem ganzen Denken und Fühlen vor uns, eine, trotz manchem Untertone aus einer anderen Kulturwelt, doch harmonisch in sich geschlossene Persönlichkeit, in der sich das Treffliche zweier Geistesrichtungen in völliger Abgeklärtheit vereinigt. Mit Recht gilt er darum der dankbaren Nachwelt als eine unbestrittene Autorität, deren Anerkennung, besonders in halachischer Hinsicht, sich kundgibt in den Worten יכל דבריו דברי קבלה. Von den äußeren Lebensverhältnissen Chananaels wissen wir, daß er sehr begütert war, und sein Vermögen in den großen Geschäftsunternehmungen der Reichen Kairuäns erfolgreich arbeitete, so daß er jede seiner neun Töchter mit einer bedeutenden Mitgift ausstatten konnte; es waren also bei ihm תורה וגדולה במקים אהד. Mit R’Nissim und R’Chananael, der nach dem Jahre 1050 starb, gingen die letzten Vertreter der unmittelbaren Schüler der babylonischen Geonim dahin, in deren Schriften noch der Geist des babylonischen Judentums in seiner ganzen Bedeutung für die Kulturgeschichte unseres Volkes wehte, und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.