Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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S76 Charakterbilder unserer großen Gesetzeslebrer. teten Legende soll er einer jener vier angeblich ans Babylonien "kommenden auf einer Seereise bei Bari gefangenen Gelehrten gewesen sein;1) indes stammte er, wie wir jetzt wohl mit ziemlicher Sicherheit annehmen können, aus Siid־ italien. Dieses Land nun stand schon im Frühmittelalter in inniger Beziehung zum Stammland unserer nationalen Wissenschaft, zu Palästina, was ja durch den engen Zusammenhang Roms mit unserem Heimatlande erklärlich erscheint. Talmudgelehrte hat es, wie eine Reihe von Grabinschriften erweisen, dort sicher zu jener Zeit gegeben. Hier entfaltete sich die hebräische Sprache zu einer schönen Nachblüte in den ursprünglich in Palästina angelegten Midraschim; so weist die gegenwärtige Gestalt des Midrasch zu den Psalmen, des sogen. שיחר טוב, auf das mittlere und südliche Italien hin. Hier fand die aus sehr alten Elementen!bestehende Pesikta Rabbati zum Cyclus der Feste und besonderen Sabbate ihre Schlußredaktion in einer sprachlich und rhetorisch schönen Form; hier endlich vollzog, sich die Vollendung jener ״Perle der agadischen Literatur“, des Tanna d’Be Elijahu. Der Einfluß des palästinensischen Geistes zeigt sich vor allem in den halachischen Bestimmungen der Pesikta Rabbati, wo besonders der Ritus von ארץ ישראל, im Gegensatz zu dem von Babylonien, berücksichtigt ist; so z. B. die Fassung der Benediktion vor dem Lesen der Megilla mit den Worten על מצות קריאה מגלת אסתר, entsprechend der vom Jeruschalmi festgesetzten Form für das Anzünden der Chanukkalichter. Neben der zu Palästina sieb neigenden Richtung in Halächa und Agada kam aber in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts eine Ein- Wirkung aus Bagdad in Babylonien durch einen von der Legende mit überirdischen Kräften ausgestatteten Gelehrten, namens Abu Ahron, der, außer durch sein großes Wissen, auch durch seine Fähigkeiten zur Verrichtung von Wundertaten A) Die Beweise für das Legendäre dieser von Abraham ibn.Daad aus einer auf Samuel Hannagid zurückgehenden Quelle überlieferten Erzählung sind in meinen Beiträgen in überzeugender Weise dargelegt.