Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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568 Stefan Zweig’s ״Jeremias“. Herzen eurer Herzen“, ״dag Herz eures Blutes quillt aus den Leibern“). Daß ferner die Tatsachen nur zum geringen Teil auf biblischer Grundlage beruhen, geht schon aus dem oben skizzierten Inhalt hervor und bedarf keiner weiteren Erörterung. Daß Zweig mit Dichterfreiheit den historischen Gang der Ereignisse ändert, abbricht, umbiegt, wird ihm niemand verdenken: Der Dichter schreibt keine Geschichte. Ganz neu hinzugedichtet (wohl in Anlehnung an cap. Iö: Bevor ich dich im Mutterleib gebildet, habe ich dich auserkoren) ist von Zweig das Gehrnmnis der Mutter von ihrer anfänglichen Unfruchtbarkeit und ihr Gelöbnis, den Sohn Jeremias ganz Gott zu weihen; ebenso sein Gewissenskampf um die Wahrheit an dem Sterbebette der Mutter, erfunden zu dem Zwecke, um Jeremias als unversöhnlichen 1Wahrheitssucher zu kennzeichnen. Ausgenutzt ist die bibliche Tatsache, daß Jeremias nach dem Fall Jerusalems trotz dem Antrag des Siegers, nach Babylon zu ziehen, vorzieht bei seinem Volke zu bleiben; ebenso, wenn auch anders motiviert, ist die Erzählung verwertet, daß Jeremias auf Antrag der Adelspartei in die Lehmgrube (nicht Düngergrube, denn ביר, nicht אשפה steht cap. 38,5) geworfen und von dort insgeheim zum König Zedekia berufen wird. Wiederholt wirküngsvoll als Gegenspieler benutzt ist der in der Volksgunst hochstehende falsche Prophet Chananja ben Assur (aus cap. 27 und 37,9). Den weiteren Schicksalsgang des Jeremias und den Gang der Geschehnisse hat Zweig vollkommen frei gestaltet, namentlich die Schilderung der Volksszenen breT*t ausgestaltet in den Vordergrund gestellt (besonders die Massenaufläufe, wie den des Straßenpöbels Jerusalems, der jede Friedensregung des Propheten niederschreit, zweifellos eine Anspielung auf die jüngsten Vorgänge unsrer traurigen Zeit in Paris und Born). Doch in vollkommenem bewußten Gegensatz, ja fast in völliger Fremdheit steht Zweig der Bibel gegenüber hinsichtlieh des geistigen Kerns und der ganzen Tendenz des Werkes. Zunächst ist die ganze Leidenstendenz und die Besignationsstimmung, der Grund- und Schlußakkord der