Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Stefan Zweig’s ״Jeremias״. 567 bald bodentief zerschmetterten, stets nur in seiner Passivitat heroischen Heldenmenschen zeigt uns das Drama, nimmer aber einen aktiv großen, gewaltig und zerschmetternd handelnden und strafenden, Feueratem und heiligen Zorn aus־ strömenden, vom Gluthauch göttlicher Inspiration durchzuckten Gottespropheten stellt Zweig auf die Bühne. Jedoch weniger eingehend soll hier weiter die ästhetische Seite des Werks behandelt werden, sondern rein litterarhistorisch möchten wir dem Werke beikommen, denn dazu reizt ja der Stoff und die Verwandtschaft mit dem biblischen Jeremias unmderstehlich. Vielleicht wird dann aus unsrer Untersuchung auch ein religiöser Gewinn und eine sittliche Bereicherung sich buchen lassen. Welche Elemente und Tatsachen nimmt Zweig aus der Bibel, und welche Grenzlinien sind zwischen der heiligen Schrift und der modernen Dichtung zu ziehen? Bei einer quellenmäßigen Gegenüberstellung der Bibel und Dichtung Zweigs wird sich bald erweisen, daß der moderne Dichter von sprachlichen Eigenheiten sehr viele, von geschichtlichen Tatsachen nur wenig aus der Bibel geschöpft, am wenigsten aber den geistigen Kern des biblischen Jeremias zu fassen und nachzubilden versucht hat. Am auffallendsten tritt sofort die sprachliche Anlehnung auf jeder Seite und Szene des Dramas hervor und braucht nicht näher nachgewiesen zu werden. Die ganze Sprache und Ausdrucksweise ist archaisierend biblisch, und die ganze Dichtung mit all ihrer schimmernden Pracht, mit all ihrem nervösen, schönheitsvibrierenden Metallglanze wäre nur ohnmächtiger Flitter, wenn nicht unzählige Edelsteine biblischer Wortprägungen ihr erst das Belief verleihen würden. Zahllos sind die Entlehnungen aus dem Buche Jeremias selbst (S. 142f., S. 40, S. 184/5, u. a.) den Klageliedern (S. 134f., S. 139f., u. a.), Umbildung von Bibelwendungen (״sie schärfen Schwerter aus den Pflügen“, ״meines Glaubens=Gottes Erstling“ u. a.), bisweilen zu Metaphern von unerhörter Kühnheit und Bildkraft gesteigert (״es wanken die Knie eurer Seelen, es beben die•