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Jeschurun · 1918-10-01 · Heft 10 (Oktober 1918) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 10 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Stefan Zweig’s ״Jeremias“. 565 wollen ihn ans Kreuz schlagen1), schon schleppen sie ihn hin, da ertönt der Ruf: die Mauer ist gefallen, der Feind ist eingedrungen, die Menge zerstiebt in rasender Flucht, Jeremias bleibt einsam zurück. VIII. Bild: Die Umkehr: In einem kellerartigen Ge,- wölbe haben sich Flüchtlinge gesammelt, unter ihnen Jeremias. Gesandte Nebukadnezars kommen und fragen nach Jeremias, Nebukadnezar will ihn, den einzigen wahren Künder der Zukunft, an seinem Hofe haben und mit Ehren überhäufen, doch schmerz- und hohnerfüllt weist Jeremias die Sendboten des Feindes zurück und kündet den Babyloniern gleichfalls den Untergang. IX. Bild: Der ewige Weg: Der letzte Akt des nationalen Dramas vollzieht sich. Nebukadnezar hat nach einem großen Morden unter den Vornehmen und Fürsten Judas den Abzug des Restes nach Babylon angeordnet. Das Volk sammelt und ordnet sich, der geblendete König Zedekia zieht als Führer an der Spitze, doch der geistige Führer und Tröster ist Jeremias, der jetzt erst vom Volke voll anerkannt wird: In der Verbannung ist euch das Leben geschenkt, in der Tiefe des Leidens erkennen wir Gott, der Leidensweg des Volkes Israel ist seine Auszeichnung. Als ewiges Fanal für den Schick- ף Es sei hier nicht verschwiegen, daß Zweig hier eine große, stark christelnde Passionszene aufführt, die unsrem Geschmack wenig zusagt: In seinem Streben, aus Jeremias eine typisch-menschliche, nicht spezifisch alttestamentliche Figur zu schaffen, hat der Dichter hier dem Propheten Worte in den Mund gelegt, die jedem vorurteilslosen Kenner des Jeremiasbuches, auch dem christlichen, als ein arger Anachronismus, dem jüdischen aber geradezu als geschmacklose Blasphemie erscheinen müssen. Jeremias läßt sich zum Kreuz schleppen mit den Worten: ״Denn ich weiß, der am Kreuz hinstirbt in irdischer Pein, Wird der selige Mittler und Fürbitter sein, Seine Arme, die brechend am Kreuzholz hangen, Werden liebend die Seele der Welt einst umfäugen .... Seine Seufzer werden zu Wohllaut werden, Seine Qual die ewige Liebe auf Erden .... Auf legt mir das Kreuz usw.“ (S. 161 f.) Die Liebe auf Erden haben die Bekenner des Gekreuzigten bis jetzt aUerdings wenig betätigt.

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