Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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564 Stefan Zweig’s ״Jeremias“. ״Nie wird . . . ein Feind . . . die Stadt . . . umwallen (während doch der Feind schon die Stadt umfaßt hält!), die Mutter merkt des Sohnes Zweifel und Angstqualen, furchtbar dämmert ihr die Gewißheit der Gefahr, sie fleht Jeremias um ein beruhigendes Wort an, doch er kann nicht lügen, eine Gotteshand schnürt ihm die Kehle zu, da zuckt die Mutter im wilden Schrei auf: ״Wehe, der Feind! die Stadt ist verloren! Entseelt sinkt sie aufs Bett zurück. Gleich darauf dringen Häscher ein, der Hohepriester und der falsche Volksprophet Hananja an der Spitze, Jeremias wird der Verführung des Jünglings Baruch, der zum Feinde übergelaufen, angeklagt und in die Düngergrube geworfen. VI. Bild: Stimme um Mitternacht. Beim König Zedekia findet Beratung statt wegen Übergabe der Stadt. Ein Friedensbote Nebukadnezars (es ist Baruch, Schüler Jeremias, der heimlich ins Feindeslager gelangt) bringt die Friedensbedingungen: Zedekia soll sich unter das Joch beugen, außerdem will Nebukadnezar das Allerheiligste betreten. Bei der Abstimmung ergibt sich Stimmengleichheit, der König soll entscheiden, er zieht sich mit Baruch, dem Boten, zurück, um zu überlegen, schon ist er zur Annahme bereit. Baruch überredet ihn vollends: ״Tu auf die Tore, tu auf dein Herz,“ der König erkennt aus den beschwörenden, feueratmenden Worten Baruchs den Geist Jeremias, schon bäumt sich sein Trotz, überallhin folgt ihm der Schatten dieses Unheilkünders. Als er auf weiteres Befragen von Baruch heraushört, der Babylonierkönig hätte nur nach des Volkes Begehr und Willen, nicht nach dem des Königs Zedekias sich erkundigt, da kommt persönliche verletzte Eitelkeit hinzu, nichts will er mehr von Übergabe und Unterhandlung hören, in zornigem Starrsinn schickt er Baruch zurück. VII. Bild: Die letzte Not: Die zagende, hungernde, meuternde Volksmenge. Jerusalem ist schon im 11. Belagerungsmonat, in ihrem Wirrsinn verfluchen die Bewohner Jeremias, den Künder und vermeintlichen Urheber all dieses Leids, sie