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Jeschurun · 1918-10-01 · Heft 10 (Oktober 1918) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 10 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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562 . Stefan Zweigs ״Jeremias“. Versuchen wir zum besseren Verständnis uns mit wenigen Strichen einen Begriff von der Handlung dieser Bilderreihe zu formen. Kein Drama ist das V? erk nach technischen Regeln mit Exposition, Stufen der Handlung, Schürzung und Lösung des Knotens und wie alle die ehrwürdigen Worte aristotelischer Herkunft lauten, nicht mit vorbedachter und feingesponnener Intrige wirren und entwirren sich die Fäden, sondern aus dem Augenblick ist die Handlung geboren, Stein auf Stein wälzt sich heran, um das zermalmende Schicksal eines Volkes und Volksführers zur Erfüllung zu bringen. Will man durchaus einen Aufstieg und Abstieg im Drama unterscheiden, so könnte man als Gesamttitel die Überschriften wäh Jen: Erweckung, Entwicklung, Vollendung eines Propheten. Das I. Bild ist vom Dichter betitelt: Die Erweckung des Propheten: Nacht in Jerusalem. Jeremias findet keine Ruhe, voll ahnungsschwerer Gesichte wacht er der Morgenröte entgegen, keuchend stürmt er auf das flache Hausdach, besorgt folgt ihm die Mutter, sie vertraut ihm das lange Verborgene, sie sei jahrelang unfruchtbar gewesen, und nur auf ihr Gelübde, den Erstgeborenen ganz dem Heiligen zu weihen, habe Gott ihren Mutterschoß geöffnet. Dieses Geständnis macht Jeremias noch trunkener und von seinen Träumen überzeugter, nicht hält ihn länger die Mahnung, ja der Fluch der Mutter zurück, Schrecknis unter das ahnungslose Volk zu tragen. Jeremias geht voll Verkündung der Stadt entgegen. II. Bild: Die Warnung: An den König Zedekia gelangt ein Antrag des Agypterkönigs, mit ihm ein Bündnis gegen den Babylonier Nebukadnezar zu schließen, dessen Joch abzuschütteln. Das ganze Volk ist kriegsbegeistert. Da tritt zum ersten Male Jeremias vor das Volk als Künder gegen den Krieg (ein bissiges Tier ist der Krieg, er zerstampfe das Ackerland und zermalme die Städte, nicht Gottes Sache ist der Krieg, kein Krieg ist heilig, heilig ist nur das Leben). Da schlägt ihn Baruch, ein kriegsbegeisterter Jüngling, mit dem Schwert blutig. Jeremias sinkt nieder, die Menge flutet fort, Baruel^, von Mitleid ergriffen, bleibt zurück, um seine Wunde

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