Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachbemerkungen zu ״Gottes Volk״. 551 Wenn diese meine Forderung auf stärkste Skepsis auch im Lager der strenggläubigen Juden stößt, so ist hierfür, glaube ich, nicht zum geringsten Teil die דרך ארץ-Anschauung, die sich noch immer ausbreitet, verantwortlich zu machen. Wer sich den דרך ארץ nicht nur als das Unheilige, Weltliche, sondern obendrein, bewußt oder unbewußt, auch als das Fremde, aus dem nichtjüdischen Lebenskreise Kommende vorstellt, dem man notgedrungen eine gewisse Daseinsberechtigung neben der heiligen Lehre einräumen müsse, dem ist es schon dadurch verwehrt, an den Erfolg eines Strebens nach Heiligkeit zu glauben: Wer sich, ohne es zu merken, von den ״Heidenrebellen״ ins Schlepptau hat nehmen und einreden lassen, daß man sich nun einmal mehr oder weniger in diese ihre Welt der Lust, der Raffgier und des Größenwahns stellen müsse, der wird natürlich nimmermehr die Glut und Demut aufbringen, die zur wahren Erkenntnis Gottes notwendig sind; dem wird meine Forderung der Absage an die ״Wirrungen der Welt“ als Utopie erscheinen, von dem ist nicht mehr zu erwarten, daß er die Konzeption einer Gott unterworfenen Weltlichkeit mit Freude ergreift, daß er ganz unbeirrt von materialistischem Fatalismus seinen Willen auf Heiligung einstellt. Wer mit dem דרך ארץ alle die Fürehterlichkeiten bejaht, in denen sich die Heidenrebellen gefallen, ob sie nun ״links“ oder ״rechts״ stehen, dem wird als gelehrigen Schüler seiner Vorbilder eine Forderung nach Erweiterung der Liebespflichten von Mensch zu Mensch höchstens als Floskel erscheinen, über die viel zu sprechen nicht der Mühe lohnt, dem bleibt die Forderung eines Gesamtheitsstrebens nach Güte, das sich eines Fonds von eigenen Direktionen, Methoden und Maßnahmen bedient und auch aus den ״Zäunen“ Nutzen zieht, ewig unverständlich; den stört es nicht, daß sein bißchen נדבה geben oder sein bißchen Wohlfahrtstreiben den äußeren Jammer der Menschheit nicht meistert und den innern nicht einmal wahrnimmt, die Tiefe des רחמים nicht ausschöpft; der weiß nicht, daß es außer der rechthaberisch-kaltenGleichheits-Mode-Doktrin,