Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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552 Nachbemerkungen zu ״Gottes Volk“. die allerdings nur neue Klüfte zu den alten aufreißt, noch einen heißen רחמים- Willen gibt, der schließlich berufen ist, die ewigen Brücken zu bauen; der hat vergessen, daß Israel durch Gott verpflichtet worden ist, in lebendiger, geduldiger und allmähliger Arbeit seine heiße Kraft an dieses Brückenwerk zu wenden. Und wem der דרך ארץ hauptsächlich als ästhetische Errungenschaft für Israel vorschwebt, dem fehlt einfach das Organ, jene heilige חפארח zu begreifen, die dem Schöpfer durch Widerspiegelung seiner Herrlichkeit in den Dingen der Menschen weit dienen will; der fühlt nicht, was Israel an Heiligkeit dadurch verloren hat, daß es den Bau seines eigenen דרך ארץ, seiner gottesvolkliehen züchtigen Schönheitswelt unterbrach; der ahnt nicht, daß er nur deshalb wagen darf, auch dem gläubigen jüdischen Volke den falschen דרך ארץ mit seiner ganzen Entpersönlichung, seinem Weißenkragen-Fanatismus, seiner geäfften Lebenskünstelei, seinen sklavisch den Kirchen und Moscheen nachgebauten Synagogen zu empfehlen, weil dieses Volk versäumt hat, aus seinem tiefsten Heiligkeitsdrange heraus Ordnung bei sich zu schaffen, das Leben in eigenster Anmut zu formen und eine Kunst zu entwickeln, die, in den Wegen Gottes, Gottes Anbetung mehrt, also תפארת ist und דעת fördert. * * * Es gibt keinen Strenggläubigen, der nicht wüßte, daß wir משיח zu erwarten haben, daß wir jeden Tag auf ihn gefaßt sein dürfen, so lange er auch zögern mag. Aber ich glaube noch etwas außerdem zu wissen und will damit nicht hinter dem Berge halten: Ich glaube zu wissen, daß dieser wunderbare Glaube an משיה, der da kommen wird, um uns und die ganze Menschheit aus der Pein der Sünde zu erlösen, nur mehr ein Schattendasein in unseren Herzen führt, daß wir im besten Falle משיה nur von Gottes ״ unerschöpflicher Gnade erwarten und gar nicht daran denken, ihn uns durch unsere Taten, durch Sicherung unserer Gesetzestreue und durch fortschreitende Heiligung zu verdienen, zu erarbeiten. Ich glaube zu wissen,