Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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550 Nachbemerkungen zu ״Gottes Volk״. habe diesem Gedanken in mir Raum gegeben und kann ihn nicht mehr los werden. Ich kann mich nicht damit trösten, daß die Menschen der anderen Völker ja auch keine Heiligeil werden wollen. Denn mir klingt immer der göttliche Auftrag an mein Volk ins Ohr, ich sehe, daß die Getreusten seine dauernde Nichterfüllung wie eine unabänderliche Notwendigkeit gleichgiltig hinnehmen, und ich kann mir nicht denken* daß Gott einen Auftrag wie diesen sollte לבטלה gegeben haben. Ich kann es um so weniger, als ja dieser Auftrag neben dem Thorageschenk und neben der משיה-Verheißung die Erwählung unseres Volkes kennzeichnet. Ich kann mich dem "Widersinn nicht fügen, der darin liegt, daß man nur die מצוות מעשיות achtet, das große Gebot der Heiligung aber, der מעשה המעשים, nicht beachten zu dürfen glaubt, daß man willig das Ehrenkleid des Gotteskämpfers trägt, aber die anbefohlenen Kampfhandlungen unterläßt, den heiligen Krieg gegen das Unheilige mit größter Gemütsruhe sabotiert. Ich kann nicht ruhig bleiben, wenn ich sehe, daß die Gesetzestreue sich nicht so auswirkt, wie sie soll und dabei rückwirkender seelischer Kräfte verlustig geht, die auch ihr zufließen würden und die sie brauchen könnte. Und darum scheue ich mich nicht, ein Mahner zur Heiligkeit zu sein. Darum verlange ich den wirklichen Aufstieg in den drei Hauptreichen der Heiligkeit: Erkenntnis (דעת), Barmherzigkeit (רחמים) und Gottespracht (תפארת) und für jedes dieser Reiche die Anwendung besonderer Methoden zur Erwirkung des Aufstiegs. (Vgl. ״Gottes Volk“,, Anhang 2, ״Worte der Aufsteigenden“, II und III)1). י) Für den Aufstieg in der Erkenntnis Gottes (״Es gibt keine Erkenntnis ohne Glut und ohne Demut״): Die Erweckung und Stärkung der!כובד in uns ״durch das Lernen seiner Lehre, durch das Gebet, durch Gott geweihtes Lied und Bauwerk und dadurch, daß wir uns fernhalten von den Wirrungen der Welt“, (deren es drei gibt: ״in den Vergnügungen“, ״im Erwerbe“ ״und im Geistesleben״). Für den Aufstieg in der Barmherzigkeit: die Erweiterung der Pflichten von Mensch zu Mensch. Für den Aufstieg in der Gottespracht das ״Streben nach Schönheit und Anmut, ’nach Reinlichkeit und Ordnung an uns und an allem, was in unserem Bereiche ist, doch nicht über die Schranken und Grenzen der Züchtigkeit, der Erkenntnis und des Erbarmens hinaus.“