Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1918)
- Date
- 1918-06-07
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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- 2 Berlin, 4. Juni. Die Fortdauer des Krieges und die dauernden Kämpfe in Palästina lassen die Not und das Elend der jüdischen Bevölkerung Palästinas in furchtbarem Maße wachsen. In Safed, Liberias und dm anderen Orten, wo sich die Evakuierten in trostlosen Verhältnissen, aufhalten, sind die Preise für Brot und den allernotwendigsten Lebensunterhalt schon auf schwindelnder Höhe an ge langt und selbst für die Wohlhabenderen kaum zu erschwingen. — Das Hilfswerk für P alästina, das bekanntlich aus einer Reihe von deutsche-jüdischen Organisationen, gebildet worden ist und eine großzügige Hilfsaktion durchführt, wendet sich wiederum an 'die deutschen Juden.mit dem dringenden Appell, der Bevölkerung Palästinas beizustehen und ihre Not Lindern zu helfen. — Samrnlungen und Einzelspenden sind an das Hilfswerk für Palästina, Berlin W 15, Postscheckkonto Berlin 4192, Bankkonto: Nationalbank für Deutschland, Depositenkasse Kurfürstendamm 211, abzuführen. W. Aus dev Provinz Posen, 31. Mai. Posen: Frau Emma Rotholz hat anläßlich des Ablebens ihres Mannes der städtischen Armendeputation 1000 Mark zur Verteilung an Arme der Stadt ohne Unterschied der Konfession zur Verfügung gestellt. — Zur Ludendorfs- Spende für Kriegsbeschädigte gingen ein: Von der Chemischen Fabrik Milch 5000 Mark, Kommerzienrat Hamburger 3000 Mark, Fabrikbesitzer S. L eff er 2000 Mark, Generaldirektor Dr. E. Pietrkowski 150 Mark, Hartwig Kantorowicz, Aktien-Gesellschaft 1000 Mark, Kaufmann E. Lipschitz 150 Mark, Eugen M a r k r e w i c z 100 Mark sowie eine ganze Reihe kleinerer Beträge. — Pinne: In der letzthin stattgehabten Stadtverordnetensitzung wurde Herr Kaufmann Markus zum Magistratsmitgliede wiedergewählt. — Wreschen: Einer der geachtetsten Mitbürger hiesiger Stadt, Herr Kaufmann Markus M e y e^r , starb im 73. Lebensjahre. Der Verstorbene war seit sieben Jahren Stadtverordneter, eine Reihe von Jahren Repräsentant der Shnag^gengemeinde und bekleidete noch andere Ehrenämter. Wegen seiner Biederkeit und rechtschaffenen Charakters war er allenthalben geschätzt und geachtet. Großes Vertrauen besaß er bei Behörden und den Besitzern der Umgegend. Das Begräbnis gestaltete sich zu einer großen Kundgebung für den Verstorbenen wie für die Leidtragenden. — Ro gasen: Die sechsjährige Schülerin Adelheid Gold st Ücker, Tochter des Pferdehändlers Goldstücker, ging mit mehreren Nachbarskindern an den Welnafluß, um Kalmus zu pflücken. Dabei siel das Kind in das Wasser und ertrank. Die anderen Kinder liefen weinend davon und hierdurch wurden die Anwohner auf den Unglücksfall aufmerksam. Glasermeister Hirsch zog das Kind aus dem Wasser. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche blieben leider erfolglos. — Crone a. d. Brahe: Bei einem Sturmangriff fiel Gefreiter Sallh Lazarus, Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, im blühenden Alter von 20 Jahren. — Gnesen: An -den Folgen einer schweren Verwundung verschied der einzige Sohn der Joseph und Melida Seegal lschen Eheleute. Der Verstorbene war Vizefeldwebel beim Stabe einer M a schi neu gew ehr-Scha rfschü tzen- Abteilung und Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse. Schönlanke: Schmerzerfüllt und tiefgebeugt erhielt die Familie S. E p p e n st c i n Hierselbst die traurige Nachricht, daß ihr Sohn Hugo im blühenden Alter von 26 Jahren in einem Feldlazarett seinen schweren Verwundungen, die er bei der Westoffensiv'e erlitt, erlegen ist, nachdem er 3% Jahre auf drei Kriegsschauplätzen aufopfernd fürs Vaterland dauernd tätig war. er. Leipzig, 31. Mai. Ei n Hilssverein russischer Juden zu Leipzi g ist die neueste jüdische Gründung in unserer Stadt. Der neugebildete Verein verfolgt den Zweck, die hier wohnenden russischen Glaubensgenossen, welche durch den Krieg in ihren Verhältnissen zurückgekommen sind, mit Rat und Tat zu unterstützen. Die Arbeit des Vereins ist jedoch nicht ausschließlich auf die Fürsorge für russische Juden beschränkt, sondern soll auch anderen Juden sowie Andersgläubigen zugute kommen. Der Verein will seinen Schützlingen mit Rat und Hilfe zur Seite stehen und besonders versuchen, die durch den Krieg zerstörten Existenzen durch Vermittlung von Arbeitsgelegenheit wieder auszurichten. Auch Barunterstützungen sollen im Rahmen der vorhandenen Mittel gewährt werden. Die neue Gründung entspricht einem tatsächlichen Bedürfnis. Es sind hauptsächlich russische Juden, die sich im „Hilfsverein" zur Hilfsaktion für ihre Landsleute zusammengeschlossen haben. J. A. Nürnberg, 31. Mai. Eine um das jüdische. Gemeinwohl und' tratdas Armenwesen hochverdiente P^ Herr David Gallrnger, wurde in voriger Woche im 79. Lebensjahre zur lehM Ruhe bestattet. Auf ihn paßte das Schriftwort: „Eine Ehrenkrone ist das Wer, nur aus dem Wjege der Gerechtigkeit wird sie erworben." Sein Leben war erfüllt von guten Werken und von unermüdlichem. Streben zugunsten der Armen und Notleidenden. 36 Jahre bekleidete Gallinger das Amt eines. Kassierers des Israelitischen Armenunterstützungsvereins und 30 Jahre das gleiche Amt für. den Israelitischen Frauenverein. Auch die Kassengeschäfte des „Enthebungsfonds für verschämte Arme" standen unter seiner Leitung. Er war nicht nur ein treuer Verwalter seiner Aernter, er war auch insbesondere in früheren Jahren, als die gemeindliche Armenpflege noch kein eigenes Bureau hatte, den Armen, welche bei ihm die Gaben in Empfang nahmen, ein gütiger Berater und wohlwollender Freund'. Für jeden, der zu ihm kam, hatte er ein herzliches Wort, »eine offene Hand und einen fürsorglichen Rat. Selbst als die beginnende Krankheit ihn zur Schonung seiner Kräfte und zur Enthaltung von den Berufsgeschäften zwang, besorgte er noch seine Amtsobliegenheiten mit unermüdlicher Sorgfalt. Herr Rabbiner Dr. Freudenthal schilderte den Entschlafenen mit treffenden Worten als „einen Mann voll biederen- Sinnes, von vornehmer Gesinnung, dem in feiner Herzensgute alles Schlechte und Unwahre fernlag, als einen Mann, auf den man trauen nnd vertrauen konnte". Im Namen der gemeindlichen Wohltätigkeitsvereme sprach Herr Hugo B ä r m a n n dem allbeli-ebten Mitarbeiter und treuen Helfer Dank und Anerkennung aus. — Münster i. W., 31. Mai. Bei der Festsetzung des Haushaltsplanes der städtischen Volksschulen für 1917 hatte die Stadtverordnetenversammlung die Beschlußfassung über eine höhere, an die jüdische Gemeinde zu zahlende Beihilfe für die Beschulung der jüdischen Kinder ausgesetzt, um nochmals zu prüfen, welche Bedürfnis^ für die Volksschule wirklich vorhanden seien. Der Magistrat hat nun diese Bedürfnisse geprüft und ist zu dem Schlüsse gekommen, daß der -bisherige städtische Zuschuß von 7000 Mark für den Unterricht der 23 Schulkinder weitgehenden Ansprüchen genügt und für die - Stadt auch im Falle der Uebernahme der Schule nicht höher sein könnte. Stadtverordneter Prof. Dr. Linneborn erklärte: Die Zentrum sfraktion des StadtverordnetenkollegiunLs hlabe sich . mit der Angelegenheit befaßt und sei der Meinung, daß di>e Lage heute eine andere sei wie damals, als die Summe von 7000 Mark zwischen Magistrat und Shnagogengemeinde vereinbart worden sei. Jedenfalls könne der. Magistrat neben den 7000 Mark auch die Teuerungszulagen für die jüdischen Lehrpersonen mit übernehmen. Stadtverordneter Dr. Linneborn beantragte, die Angelegenheit an den Magistrat zurückzu-v erweisen zwecks Prüfung der -Frage, ob nicht die Teuerungszulagen mit übernommen werden können. Stadtverordneter Dr. Cohn erklärte: Falls diesem Anträge stättgegeben werde, könne zweifellos eine Verständigung zwischen dem Magistrat und der Synagogengemeinde zustande kommen. Der Antrag Linneborn wur-de e i n st i m m i g a n g e n o m m e n. Sch. Köln, 31. Mai. Die Bi bl i o t h e k d er Sh n a g. o g e n - gemeinde in Köln, Roonstraße 50, die bei ihrer Eröffnung, im Mai 1914 etw'L 2300 Werke aufwies und im Lause des Krieges keine größeren A.n>schafsrwgen mehr machte, erhielt jetzt einen wertvollen Zuwachs. In hochherziger Weise hat die Gattin des verstorbenen Gemeinderabbiners Dr. Wr. Frank sämtliche hebräische Druckwerke aus der Bibliothek ihres Mannes (448 Werke) der Bibliothek der jüdischen Gemeinde, an der er 42 Jahre lang segensreichgewirkt hatte, geschenkt mit der Bestimmung, daß sie als Dr.-Abr.-Frank- Bibliothek verwaltet werden und bei eventuellem Eingehen der Bibliothek dem Breslauer Rabbinerseminar zufallen sollten. Die Dr.-Frank-Bibliothek enthält unter anderem einen vollständigen Talmud, alle Midraschim, die bisher edierten Werke der Gaonim, die Schriften des Maimonides-, die Werke, der älteren jüdischen Philosophen sowie eine Reihe Responsen-Literatur von den bedeutendsten Rabbinern des frühen Mittelalters und der Neuzeit und mehrere wertvolle Wörterbücher (z. B. Kohut). Die. hebräische Bibliothek. des Rabbiners Dr. Frank gibt uns ein Bild von dessen tiefem Wissen auf dein Gebiete der rabbinischen Literatur. Die jüdische Gemeindebibliothek besitzt jetzt über 3000 Werke, von denen etwa zwei Drittel wissenschaftliche Bücher sind. Zwecks Ausbaues der Bibliothek hat der Vorstand in diesem Jahre einen namhaften Betrag der Bibliothek zur Verfügunggestellt. Die Bibliothek, die wähnend