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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-06-07 · Heft 23 (7.6.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 23 (7.6.1918)
Date
1918-06-07
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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s des' .Krieges dvekttml wöchentlich gM-fnet ist, hat inr letzten Jahre 459 Bücher, und zwar vornehmlich populärwissenschaftliche und belletristischeTÜerke ausgeliehen. Sie erhielt manche Schenkungen an einzelnen Büchern, darunter von-der jüdischen Gemeinde Rommerskirchen zwei Urkunden aus dem Jahre-1801, betreffend' die Gründung der-dortigen. jüdischen Gemeinde.. Die segensreiche, vor allem der Wissenschaft des Judentutns dienende' Einrichtung der Gememdebibliothek für ganz Rheinland wird erst nach dem Kriege richtig erkannt werden. A.n alle Glaubensgenossen Rheinlands ergeht die dringende Mahnung, alte, Bücher, ..jüdische. Gemeindebücher, Handschriften und sonstigejüdische Altertümer der Bibliothek zu überweisen, wo sie in sicheres Gewahrsam genommen, 'sachgemäß verwaltet werden und die richtige Würdigung finden und so zu einem ganz anderen Segen gereichen können als ein einzelnes Stück, in . der Privatsammlung. Möge sich mancher an der hochherzigen Schenkung, der Frau Rabbiner Dr. Frank ein Beispiel nehmen! — Msttrrz, 31. Mai. D i e Beer d i gu n g e i ne r h o f'fn UN g svolen Iüngertn der Ku.nstgeschichte versammelte aus dem hiesigen ifraevitiischen Friedhöfe eineTrauervsrsammlung, in der alle Kreise der BevMerung vertreten waren. Fräulein Elsa Neugarten, die zur letzten Ruhe gebettet wurde, war eine junge Studentin der Kunstgeschichte, der allgemein 'eine große Zukunft prophezeit worden war.' Die Verstorbene hatte ein Werk über den Mainzer Mal^r Kasper Schneider älsk Doiktorarbeiit gerade vollendet, als 'der Tod sie ereMe. Rabbr-ner Professor Dr. Salse-ld leitete die Trauierfeier mit einer Gedächtnisrede ein, in der er die Verblichene in schlichten, zu Herzen gehenden Worten als gottbegnadete Künstlerin und Schriftstellerin feierte. Professor Dr. Kautsch, der Ordinarius 'der Kunstgeschichte 'der Universität Frankfurt, widmete seiner Schülerin, die in wenigen Wochen aus seinen Händen den Doikborhuit empfangen sollte, Worte des Abschieds. Die Mainzer 'Studenten ließen einen Kranz mit warmen Worten des Abschieds, niederlegen. Gestkrrelch-AnMM> — Wien, '31: Mai«. Ueber den Jud-enpog-röm in Wieliczka bringt Dr. Blochs „Oesterreichische Wochenschrift" folgenden Bericht -eines Augenzeugen: „Der Judenpogrom in Krakau hat hier ein trauriges Nachspiel gesunden, das sich um so gefährlicher gestaltete, als wir hier ohne jeden Schutz leben, und noch schwebt die Gefahr über unserem Haupte. Gestern um 2 Uhr nachmittags begann, wie auf ein gegebenes Signal-, .eine Menge, bestehend aus Arbeitern und Mjeibern, die .ihre Sonntagskleider zu- -dieser blutigen Tat anlegten,, die jüdischen Geschäfte zu -plündern und :die Scheiben in den jüdischen Häusern zu zertrümmern. Bewaffnet mit Aexten, drang die . immer mehr anw-achsende Rotte, in -der man auch Schüler der hiesigen Realschule und. polnische Legionäre sah, in die Wohnungen der Ju'den' >ein, raubend- und plündernd und die hilflosen Frauen- und Männer blutig schlagend. Dies, alles geschah unter dem Auge der Behörde, die ruhig, alles gewähren ließ. Ms die Plünderungen begannen, und an manchen Stellen.schon jüdisches Blut floß, und man um militärischen Schuß bat, antantwortete die betreffende Lokalbehörde: „Es geschieht nichts." Die Gefahr wurde jeden Augenblick größer, aber der Bezirkshauptmann und der Bürgermeister, die zu dieser Zeit eine Sitzung in der Sparkasse hatten, antworteten den sie bestürmenden Juden, man möge sie nicht stören. Ja, sie hatten sogar den Mut, dem Mlitä-rkommando' Krakau/ an welches sich der Kültusp-räsident wendete, zu antworten, daß militärischer Beistand, nicht notwendig sei-. Ter Wachtmeister der Gendarmerie, der die Bande begleitete, der Plünderung ruhig assistierte und — man lache nicht, denn esl ist zu traurig — einem Juden namens Zuckermänn, der die eindringende Menge aus seinem' Geschäft' herausdrängen wollte, zuries: „Schlagen ist nicht erlaubt!", sagte nachher selbst aus, es sei ihm der Befehl erteilt worden, nur achtzugeben, daß beim ' Bezirkshauptmann die Scheibennicht eingeschlagen werden. 'Von Wieliezka begab sich die Menge, gleichfallsin Begleitung des Wachtmeisters- - nach, dem anstoßenden Städtchen- Kl a sin o, - wo sie das Plündern und Schlagen wiederholte.' Erst gegen ^>10 Uhr '.aibends kam, dank der Intervention des Krakauer Rabbiners Dr. O. Thon beim Militärkommando, eine Abteilung (Zensurlücke) hierher, aber leider, zu, spät.-- Ta-s Fest -der Offenbarung naht heran, aber im Städtchen sieht es aus, wie am Tische Beaw, fast alle Geschäfte sind ausgeplündert, die Wohnungen zertrümmert; der Schaden beziffert sich auf mehrere Hunderttaus'ende. Alls'im Jahre "1916 die Russen unser Städtchen verließen, sah es hier viel besser aus. Daß die Ausschreitungen keine Hungerrevolten waren, beweist am besten die Verschonung der christlichen Geschäfte, die sich hier in großer Zahl befinden, und auch die Tatsache, daß in keinem der christlichen Häuser die Scheiben eingeschlagen. wurden. Es wurden Telegramme an den Ministerpräsidenten, den Minister für Galizien und den Minister des Innern' um' Abhilfe abgesandt." — In einem weiteren Schreiben vom 19. Mai, bericht,et derselbe Gewährsmann: „Jm^Laufe der Revisionen, die während' den letzten Tage hier vorgenommen würden, fand man bei den P'lünderern Mengen von Proviant, die nicht vom Raube während der Ausschreitungen stammen und die am besten beweisen, daß von ' Hungerrevolten nicht die Rede sein kann. So hatte die kleine Familie eines Salinenarbeiters zwölf große Laibe Brot zu Hause. Dasselbe bestätigt auch der Umstand, daß bei der Plünderung des Geschäftes einer Frau Goldschmidt das Brot zurückgelassenl wurde und nur Lu-xusartikel, wie Seidentücher, Hüte u. dgl., geraubt worden sind. In Klasno wurde der Gemeindevorsteher, der 76jährige Tiefenbrunner, von dem exzedierenden Piöbel so geschlagen, daß' sein Leben in Gefahr schwebt. Durch Intervention des Herrn Dr. Nasael Landau, Vizepräsidenten, der ambrachsten Tagehierher kam, um die Schäden zu konstatieren, ist heute ein halber Waggon Fensterglas angelangt, was um so notwendiger war, als fast in keinem jüdischen Hause ganze Fensterscheiben geblieben sind." Koken. z. Warschau 31. Mai. Der Senat der Technischen Hochschule hat, nachdem er über das Verhalten des Präsidiums und der Vertreter der „Gegenseitigen Hilfe" jüdischer Studenten in der Technischen Hochschule Kenntnis erhalten, ein Disziplinarverfahren eingeleitet und festgestellt, daß -das Präsidium die Vorschriften für die Studenten überschritten hat. Auf Grund des § 23 der Vorschriften für die Studenten beschloß der akademische Senat die Ausschließung von sechs Studenten von der Hochschule, des 1. und 2. Vorsitzenden der Versammlung sowie vier weiterer Beisitzer. Die Mitglieder der durch den Senat des Polytechnikums geschlossenen jüdischen Studentengesellschaft „Gegenseitige Hilfe" erlassen eine Erklärung, in der um eine Revision des Urteils gegen die sechsvon der Hochschule relegierten Vorstandsmitglieder ersucht wird, da alle Mitglieder gleichmäßig die Veräntwortung für den Protest gegen das Verbot der Gesellschaft trügen. In ähnlichem Sinne wurde auch eine Berufung gegen den Ausschluß -an das Ministerium gerichtet. — Der „Glos Zydowski" vom 10. Mai bringt 'einen Artikel von S. Sokolow über die Ausschließung der sechs jüdischen Studenten des Polytechnikums. Das Urteil des akademischen Senats hat in jüdischen Kreisen Entrüstung und Erbitterung hervorgerufen. Der Vorfall bringe Zeiten eines Apuchtin, Schwarz, Bielajew zurück. Das Benehmen der akademischen Behörden sei in mancher Beziehung viel schlimmer; sei es doch ungleich schrecklicher, wenn die Behörden eines freien Staates in der Theorie den Juden Zutritt zu den Hochschulen ohne jede Einschränkung gewähren, in der Praxis von den jüdischen Zöglingen fordern, ihre Nationalität zu verleugnen, die ihnen ebensoteuer wie ihre Bildung ist. — Tie Boykvttbewegung in Polen-lebt wieder aus. Die „Gazeta Pvranna" (Dwa grosze) hat wieder eine Abteilung „Oekonomischer Wiederaufbau" eingerichtet, irr der sie unter der alten Losung „swoy do swego“ (Jeder kaufe bei den Seinen) den Boykott propagiert. Jedes Mittel, das geeignet ist, um eine Hetze einzuleiten, wird angewendet. Alle Zeitungen betonen irr aufreizender Weise, daß die Juden in der Provinz -die polnischen nichtgesetzlichen Feiertage nicht durch Geschäftsschluß feiern, undstellen die Juden -deshalb als Feinde des katholischen- Glaubens und.der polnischen Nation hin. — Seit Einsetzung der polnischen Verwaltung in unserer Stadt haben die Juden sich unausgesetzt darum bemüht, die Aufhebung des Verbotes des Lazienki-Parks für Kaftanjuden zu erreichen. Alle Bestrebungen scheiterten jedoch an dem, Widerstand der führenden antisemitischen Kreise. Die Gesellschaft für soziale Arbeit unte r den Juden hatte sich an das Ministerium für Landarbeit und Krongüter mit einer Denkschrift gewandt, in der die Beseitigung der Aufschrift gefordert wurde, nach der Leuten in nichteuropäischer Kleidung der Eintritt irr die Lazienki-Gärten verboten

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