Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1918)
- Date
- 1918-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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82. Jahrgang Nr. 23 Der Gemeindrvote. Vrttasr zur „Allsemrtnen Lettung deK Judentums öerlin, 7. Juni 1918 fiomfponöfnim und Aschrichtktt. SeutlchlML Berlin, 4. Juni. Der Verband der Deutschen Jud e n beabsichtigt für die Zeit vom 1. bis 6. Oktober d. I. in Berlin einen Kursus zu veranstalten, in dem geeignete Kräfte zur apologetischen Behandlung jüdisch-religiöser Themen herangebildet werden. Die Vorlesungen werden folgende Gegenstände umfassen: 1. Das Judentum zur Zeit der Entstehung des Christentums; 2. Die Grundlebren des Judentums und anderer Religionen; 3. Geschichte und Metbode der Jndenmisflon; 4. Angriffe auf das jüdische Schrifttum; 5. Angriffe auf die Glaubens- und Sittenlehren des Judentums. Als Lehrer sind bisher gewonnen die Herren Rabbiner Dr. Baeck, Dr. S. Bernfeld, Rabbiner Dr. Hoch selb, Rabbiner Dr. Liebermann. Es wird auf eine Zuhörerschaft aus den Kreisen der indischen Theologen, Lehrer und Lehrerinnen, Mitglieder der indischen Studentenverbindungen und Jugendvereine und gebildeter Glaubensgenossen, die für diese fragen Interesse haben, gerechnet. Um weiten Kreisen die Teilnahme^an dem Kursus an ermöglichen, wird nur eine Einschreibgebühr von 3 Mark erhoben. Meldungen für die Teilnahme werden mündlich oder schriftlich in dem Bureau des Verbandes der Deutschen Juden, Berlin W 35, Steglitzer Straße 9, entqegengenommen. Ausführlichere Mitteilung mit Angabe der Dozenten für die einzelnen Vorträge, Stunde und Ort der Vorlesungen wird demnächst gemacht werden. E. M. 4. Juni. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums konnte trotz aller erschwerenden Umstände, die der Krieg mit sich brachte, den Betriev der Lebro.n.ft,ail>t mit geri-naer Ei.nschränknna anfrechterhalten. Ein grober Teil der Hörer ist aum Militärdienst einaeaogen. Im Sornmersemester 1917 betrug die Zabl derHörer 2 3, von denen 16 aus Deutschland. 6 ans Oesterreich-Ungarn und ein Hörer aus Palästina lammte. Im Wintersemester 1917/18 stieg die Hörerzabl ans 24. Die Neuanmeldung von Studierenden ist also durch den Einfluß des Krieges nicht unerheblich aurückaegangerr. Sämtliche ordentliche Hörer batten gemäß den statutarischen Vorschriften das Zeugnis der Neife für das akademische Studium. Die ZablderHospitanten, die nur an einzelnen Vorlesungen auaelasfen sind, betrug während beider Semester 22 Personen, die sämtlich aus Deutschland stammten. DaH Lehrerkollegium besteht aoaenwärtig ans den Mitgliedern Dr. E d u a r d B a ne th . Vorsitz--nr.der für das Studieniabr 1918/19, Dr. I s m -a r E l b o a e n , Inhaber des Li0uis-Si-mon>-L'ehrstu-hles. Dr. Euaen Täübler. Inhaber des Ludwig-Pbilivvson-Lebrstubles. Rabbiner Vrofestor Dr. Sie gm und May bäum, Rabbiner Dr. Leo Baeck -und den beiden Dozenten Dr. I s m a r freund und Rabbiner Dr. S a ms o n Gochfel d. Rabbiner Dr. Baeck wirkt seit Kriegsbeginn als Feldprediger im Heere. Der Lebrkörver der Anstalt wurde durch die Berufung des Herrn Professor Dr. Julius Guttmann als Dozenten aus den Moses-Mendelssobn- Lehvftlrbl vergrößert. Professor Guttmann, zurzeit Privatdozent für Pbilosovhie an der Breslauer Universität, wird sein Amt an der Lehranstalt nach seiner En-lassung. aus dem Heeresdienst antreten. Der Ausschuß der Moses-Mendelssohn-Toleranz-Stiftung hat seine satzungsgemäß erforderliche Zustimmung zu der Wahl erteilt. Im Laufe des letzten Jabres haben drei Hörer die Nabbinerprüsung bestanden; ein ehemaliger Hörer, Rabbiner Dr. Max Wiener, Stettin, wurde zum Feldgeistlichen bestellt. Von ehemaligen Hörern wurden Dr. Felix Goldmann, bisher in Oppeln, zum Rabbiner in Leipzig, Dr. Benzion K e l l e r mann zum Rabbiner. Dr. Hermann L ö b , bisher in Karlsruhe, aum Prediger der Jüdischen- Gemeinde in Berlin gewählt. Die Anstaltsbibliothek bat durch Kauf und Schenkung einen weiteren Ausbau erfabren. Das Kuratorium bestehr aus den Herren Gebeimer Justizrat Dr. Albert Mosse, Vorsitzender, und den Mitgliedern Justizrat Leo Lilrentbal, Justizrat Dr. A r n o l d Seligsohn, Mar Weiß, Oberregierungsrat Dr. Paul Meyer, Geheimer Regierüngsrat Profesiox Dr. Ludwig Geig.er/Direktor Oskar Wassermann, Direktor Dr. Salo Adler und Professor Dr. Jssai Schur. E. Mi Berlin, 4. Juni. Der Hauptarbeitsausschuß der Ludendorsf-Spende für Kriegsbeschädigte hat sich an die Berliner Jüdische Gemeinde mit der Bitte gewendet, in den Synagogen auf die Bedeutung dieser Sammlung aufmerksam zu machen. Der Vorstand hat diesem Ersuchen entsprochen und die Gemeinderabbiner veranlaßt, beim Gottesdienst am Sabbat, den 1. Juni, auf die Opfertage für die Ludendorff-Spende hinzuweisen. An die Vorstände der subventionierten Gemeinden ist die Bitte des Arbeitsausschusses befürwortend weitergegeben worden. ### Berlin, 4. Juni. Nach den bis zum 1. Mai 1918 eingegangenen Meldungen, die auf Vollständigkeit keinen Anspruch erheben, stehen bzw. standen von den über 1150 Mitgliedern der im Kartell-Convent vereinigten Korporationen unter Einrechnung der Gefallenen und infolge von Verwundung oder Erkrankung als dienstunbrauchbar Entlassenen 1010 im Heeresdienst Hiervon gehören bzw. gehörten dem Feldbeere 845 an. Nur diese sind nach den darüber bestehenden kaisevluchen Erlassen als Kriegstoilnehnwr zu bezeichnen. Es bedarf, wie die K. C.-Blätter betonen, dieser Hervorhebung, weil in Organen — ob mit oder ohne Absicht, sei dahingestellt — auf der einen Seite bei anderen Korporaltionsverbänden die Zahl der nn -Felde Siebenden, bei dem K. C. aber systematisch die Zahl der im Heeresdienst Stehenden angegeben und in Vergleich mit der Zahl der Gefallenen usw. gesetzt wird, obwohl in unseren Mitteilungen stets Aar und deutlich die Zahl der im Heeresdienst Stehenden getrennt von der Zahl der dem Feldheer Angehörenden angegeben wird. Den Heldentod starben 84 K. C.er. In diese Zahl sind sechs Bundesbrüder eingeschlossen, an deren Tod kein Zweifel besteht, die zum Teil sogar amtlich als tot erklärt sind, deren Tod aber seitens der Angehörigen vorerst und zunr Teil so lange nicht anerkannt wird, als nicht persönliche Zeuaen des Todes der gefallenen Söhne sich aefunden haben. In Krieasaesanaenschaft befinden sich, nachdem die Kb. Artbnr Hirsch und Julius Voehl aus der Gefangenschaft entkommen sind, nur noch 20 K. C.er. Eingerechnet sind hierin die Kb. Dr. Glaser. Marineassistenaarzt ans S. M. S. „Dresden", der in Svanien, und Oberleutnant Dr. Mar Schohl, der in St. Gallen interniert ist. Durch die neuerlichen deutsch-französtschen Vereinbarungen dürften die Kb. Kb. Assessor Ernst Hevmann. Gefr. Referendar Ernst Jonas, Unteroffizier Willy Lamm. Unteroffizier Referendar Dr. Gerhard Müller, Gefr. -Felix Simson nach Deutschland zurückkehren können, wogegen die Kb. Kb. Leutnant Dr. Eduard Glaser und Leutnant Dr. Otto Levy zur Internierung in die Schweiz gelangen dürften. 24 Kb. Kb. sind mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet worden, 489 mit. dem Eisernen Kreuz II. Klasse, darunter 3 am weiß-schwarzen Bande, 2 mit dem Eisernen Halbmond. 191 haben andere Kriegsauszeichnungen erhallen. 100 K. C.er, darunter 86 im vreußischen, sächsischen und württembergischen Heere, 14 im bayrischen, sind während des Krieges.zu Offizieren des Beurlaubtenstandes befördert worden, 8 K. C.er gehörten bei Kriegsausbruch als Offiziere des Beurlaubtenstandes dem bayerischen Heere an. In diese Beförderungen sind nicht eingerechnet diejenigen zu Sanitäts- und Veterinärofsizieren, über die später berichtet werden soll. E. M. Berlin, 4. Juni. Den 7 0. Geburtstag beging am 2. d. M. der Stadtverordnete Baumeister S a m u e l' W e i l e, der seit einem Jahrzehnt der Repräsentantenversammlung dev Jüdischen Gemeinde zu Berlin angehört. Herr Weile, der der liberalen Richtung angehört, steht seit mehr als 25 Jahren im Ehrendienste der Gemeinde. Er betätigt sich in der Steuerveranlagung, in der Für so rgekomm ission und der Kommission zur Subventionierung von Religionsvereinen. Sein fachmännischer Rat wurde besonders in der Bauverwaltung der Gemeinde hoch geschätzt, der er mehrere Jahre als Mitglied angehörte. Eine große Anzahl von Wohltätigkeitsvereinen zählt Herrn Weile zu ihren eifrigsten Mitarbeitern. Herr Weile erfreut sich voller Rüstigkeit. Zu seinem Geburtstage sind ihm zahlreiche Glückwünsche zugegangen, darunter Schreiben des Berliner Magistrats, des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde. Der Jubilar verlebte seinen Geburtstag außerhalb Berlins, um allen Ehrungen Zn entgehen.