Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1918)
- Date
- 1918-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Werk „Deutschland unter Kaiser Wilhelm 11/ (Berlin 1916) beigesteuert hat, von kleineren Beiträgen im „Archiv für Theatergeschichte" zu schweigen, verdient volle Beachtung. Dem Sohne Abraham Geigers, der dem Vater in der Herausgabe von dessen nachgelassenen Schriften (Fünf Bände. Berlin 1875 bis 1878) und in der liebevollen Biographie (in dem Sammelwerk „Abraham Geiger. Leben und Lebenswerk". Berlin 1910) ein würdiges Denkmal gesetzt hat, lag die Beschäftigung mit der Geschichte der Juden an sich nahe. Schon seine lateinische Abiturientenarbeit „Urteile griechischer und römischer Schriftsteller über Juden und Judentum", die als Berliner Habilitationsschrift im Druck erschien, behandelte einen diesem Gebiet entnommenen Stoff. Eine andere Frucht der Vertiefung in ihr war die zweibändige, als Festschrift zur zweiten Säkularfeier im Auftrag des Vorstandes der Berliner Gemeinde bearbeitete „Geschichte der Juden in Berlin" (Berlin 1871). Seine ausgebreiteten literarhistorischen Studien, die vom sechzehnten bis zum neunzehnten Jahrhundert so ^manche Beziehung der allgemeinen Kultur und des jüdischen Geisteslebens seinem Gesichtskreis zusührten, kamen dem nie erlöschenden Interesse für die Geschichte der Juden zustatten. Er wurde Redakteur der von der historischen Kommission des Deutsch - Israelitischen Gemeindebundes ins Leben. gerufenen „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland", die es auf fünf Bände brachte (Braunschweig 1886 bis 1892), und war einer ihrer fleißigsten Mitarbeiter. Wiederholt beleuchtete er die ehrwürdige Gestalt Moses Mendelssohns. Er hielt bei der Enthüllung von dessen Denkmal im Vorgarten der Berliner Gemeinde- Knaben- und Lehrervorbildungsschule die Weiherede. Er veröffentlichte kostbare Stücke aus Mendelssohns Briefwechsel („Mendelssohns Briefe an seine Braut." Privatdruck. Hermann und Hedwig Simon zur silbernen Hochzeit. Berlin 1906. — „Briefe von, an und über Mendelssohn" im „Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur"). In zahlreichen, verschiedenen Zeitschriften einverleibten Artikeln hat er, zumeist nach ungedruckten Materialien, über Leopold Zunz, den Altmeister der Wissenschaft des Judentums, gehandelt. Ebenso hat er bei Benutzung des Nachlasses von Moriz Veit für Veröffentlichung interessanter Korrespondenzen („Michael Sachs und Moriz Veit. Briefwechsel." Frankfurt a. M. 1897, u. a. m.) aus dem vollen schöpfen können. In zusammensassender Weise hat er den ihm am Herzen liegenden Gegenstand, der in vielen seiner Arbeiten zu berühren >var, in dem Werk „Die deutsche Literatur und die Juden" (Berlin 1910) behandelt. Hervorgegangen aus Universitätsvorlesungen, setzt sich dies Werk, wie der Verfasser selbst sagt, mit „einem völkergeschichtlichen Problem" auseinander. Er darf „mit tiefer Verachtung alle die offenen und heimlichen Insinuationen zurückweisen, daß ein deutscher Gelehrter jüdischen Glaubens bei Beurteilung irgendeiner Zeit oder irgendeiner Leistung der deutschen Literatur befangen wäre". Er darf sich der Ueberzeugung rühmen, „daß der deutsche Gelehrte und Schriftsteller jüdischen Glaubens voll und gang in Sprache und Gesinnung ein Deutscher ist". Die Leser dieser Zeitung, zu denen er so oft gesprochen hat, können die Wahrheit dieser Worte am besten bestätigen. Was Ludwig Geiger einmal von seinem Vater aussagt, gilt auch von ihm: „Er gehörte niemals der Klasse von Gelehrten an, die nur in ihrer Studierstube ihr Heil finden." Neigung und Begabung, durch Vorträge und Reden auf eine größere Zuhörerschaft zu wirken, auch wenn sie nicht aus akademischen Kreisen stammt, haben ihn von Stadt zu Stadt geführt und ebenso an seinem Wohnort oft genug Gelegenheit geboten, ein dankbares Publikum zu belehren und zu erbauen. Auch der Lehranstalt der Wissenschaft des Judentums, deren Kuratorium er angehört, hat er sich gelegentlich als Vortragender zur Verfügung gestellt. Seine unermüdliche Feder hat Zeitschriften und Zeitungen mit zahlreichen Beiträgen versorgt, in denen neben wissenschaftlichen Gegenständen auch Erzeugnisse der heutigen Dichtung oder brennende Fragen des Tages besprochen wurden. Im praktischen Leben wirkt er seit Dezennien mit Hingebung für den geistigen und sittlichen Fortschritt der deutschen Juden. Möge ihm denn vergönnt sein, noch manches Jahr, körperlich und geistig frisch, im Kreise seiner Lieben, in gleichem Schritt und Tritt mit den alten Freunden sich des reich ausgefüllten Lebens zu erfreuen, den Blick auf die höchsten Ziele gerichtet, in der Arbeit und in gemeinnütziger Tätigkeit wahren Genuß zu finden, und möge die Sonne des Friedens sein Alter beleuchten!