Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1918)
- Date
- 1918-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Juden eine so große Rolle spielt. Die genannte Doktordissertation war nur eine Vorarbeit der musterhaften Biographie Reuchlins (Leipzig 1871), an die sich zur Ergänzung die Herausgabe des Briefwechsels Reuchlins (Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart •CXXVI, Tübingen 1875) anschloß. Eben diesem Kreise von Arbeiten gehört die Schrift „Das Studium der hebräischen Sprache in Deutschland vom Ende des 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts" (Breslau 1870) an. Ueber das Gebiet des deutschen Humanismus hinaus führt das zur Erinnerung an die fünfte Säkularfeier Petrarcas herausgegebene Buch „Petrarca" (Leipzig 1874), das, soviel ich weiß, auch ins Italienische übersetzt worden ist. Andere Arbeiten galten der Geschichte des französischen Humanismus. Eine von Geiger begründete „Vierteljahrsschrift für Kultur und Renaissance" (Berlin 1885, 1886) und die von ihm mit Max Koch herausgegebene „Zeitschrift für vergleichende Literaturgeschichte und Renaissance-Literatur" gaben ihm namentlich Gelegenheit, neu erschienene Schriften zur Geschichte der Renaissance und des Humanismus zu besprechen und dies ganze große Feld immer wieder mit der Fackel der Kritik zu beleuchten. -Es war begreiflich, daß seiner Feder der Band „Renaissance und Humanismus in Italien und Deutschland" anvertraut wurde, der einen Teil der von Wilhelm Oncken herausgegebenen „Allgemeinen Geschichte in Einzeldarstellungen" bildet (Berlin 1882). Noch mehr ehrte Geiger das Vertrauen Jakob Burckhardts, der die Herausgabe der späteren Auflagen seines klassischen Werkes „Die Kultur der Renaissance in Italien" in die Hand des darum viel beneideten jüngeren Gelehrten legte. Wie ernst er es mit der Lösung dieser Aufgabe genommen hat, zeugt jede neue Auflage (die letzte, elfte, Leipzig 1913), in der, bei möglichster Schonung des ursprünglichen Textes, ein Reichtum gewissenhafter Zusätze und Exkurse zu finden ist. Von der Geschichte des Humanismus zu der Geschichte der modernen Literatur überhaupt war nur ein Schritt. Er wurde schon in der Studie „Die Satiriker des 16. Jahrhunderts" („Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge" usw., Heft 295, Berlin 1878) gemacht. Bald aber nahm die Literaturgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts und in ihr vor allem die Gestalt Goethes den Sinn Geigers gefangen. Allein die 34 Bände des von ihm begründeten „Goethe-Jahrbuchs" (1880 bis 1913) würden seinen Namen für immer mit der Goethe- Forschung verknüpfen. Dazu kommen, abgesehen von der Beteiligung an verschiedenen neueren Ausgaben der Werke Eoethes wie der Einleitung zu den 44 Bänden im Leipziger Verlag Max Hesse und der Edition der „Italienischen Reise" in Cottas Jubiläumsausgabe, die selbständigen Werke „Goethe und die Seinen" (Leipzig 1908), „Goethe. Sein Leben und Schaffen dem deutschen Volke erzählt" (Berlin-Wien, Ullstein u. Co. 1910), „Goethe in Frankfurt a. M. 1797" (Frankfurt a. M. 1899), ferner „Goethes Briefwechsel mit Wilhelm und Alexander v. Humboldt" (Berlin 1909), „Goethes Briefwechsel mit Zelter" in der Reclam-Ausgabe, „Goethes Gespräche mit Eckermann" (in der Ausgabe Verlag Max Hesse). Kleinere Arbeiten müssen hier übergangen werden, aber eine besondere Erwähnung verdient das durch eine Fülle neuer Mitteilungen aus Archiven und Bibliotheken wertvolle Buch „Aus Alt-Weimar" (Berlin 1897). Nächst der klassischen Weimarer Periode haben die deutsche Romantik und das junge Deutschland wohl die stärkste Anziehungskraft aus den Literarhistoriker Ludwig Geiger ausgeübt. Auch bei der Durchforschung dieser Gebiete ist ihm neben der Ausbeutung des Gedruckten das Finderglück in der Verwertung von unbekannten handschriftlichen Schätzen treu geblieben. Zum Beweise dessen dienen die Werke „Karoline v. Günderode und ihre Freunde" (Stuttgart 1895), „Aus Chamissos Frühzeit" (Berlin 1905), einige der „Berliner Neudrucke", wie „Chamissos und Varnhagens Musenalmanach" (1889) und „Achim v. Arnims unbekannte Aufsätze und Gedichte" (1892), „Bettina v. Arnim und Friedrich Wilhelm IV." (Frankfurt a. M. 1902), „Das junge Deutschland" (Berlin 1907), „Das junge Deutschland und die preußische Zensur" (Berlin 1900). Wie sich denken läßt, reizte ihn nicht zuletzt die Persönlichkeit Börnes zu eingehender Betrachtung. Nach der Herausgabe des Briefwechsels des jungen Börne mit Henriette Herz (Oldenburg und Leipzig 1905) und der „Berliner Briefe Ludwig Börnes von 1828" (Berlin 1905) verband er sich mit anderen zu einer historisch-kritischen Ausgabe von Börnes Werken im Verlag von Bong u. Co., deren Oberleitung er übernahm. Der Weltkrieg hat die Vollendung dieser Ausgabe, von der bisher sechs Bände erschienen sind, unterbrochen. Wiederum ein anderes Feld der Literaturgeschichte, das sich zu dem der Kulturgeschichte erweitert, umfaßt Ludwig Geigers zweibändiges Werk „Berlin 1688 bis 1840. Geschichte des geistigen Lebens der preußischen Hauptstadt" (Berlin 1892), eine Fundgrube wertvoller Mitteilungen aus weit zerstreuten, teilweise neu erschlossenen Quellen. Endlich sei noch unter seinen Beiträgen zur deutschen Literaturgeschichte des inhaltreichen Werkes „Therese Huber 1764 bis 1829" (Stuttgart 1901), des Sammelbandes „Gefühltes und Gedachtes von Fanny Lewald" (Dresden und Leipzig 1900) und „Aus Adolf Stahrs Nachlaß" (Oldenburg 1903) gedacht. Wer, wie er vom Studium des Humanismus und der Renaissance ausgegangen war, konnte seinen Blick nicht vor der neueren Literatur anderer Völker verschließen. Manchen Beitrag zu ihrer Geschichte enthalten seine „Vorträge und Versuche" (Dresden 1890) und die zwei Bände „Dichter und Frauen" (Berlin 1896, 1899). Hoffentlich gelingt ihm noch die Ausführung einer längst geplanten Biographie Rousseaus. Vorläufig hat man sich mit der wohlabgewogenen, knappen Darstellung „Jean Jacques Rousseau. Sein Leben und seine Werke" in der Sammlung „Wiffenschaft und Bildung" (Leipzig 1907) zu begnügen. Von jeher von lebhaftem Interesse für Musik und Bühnenkunst erfüllt, war der Literarhistoriker Ludwig Geiger wie geschaffen zum Vorsitzenden der 1902 gegründeten Gesellschaft für Theatergeschichte. Die in den Schriften derselben mit Anmerkungen herausgegebenen Briefe Jfflands (Berlin 1904, 1905) dürfen bei einer Aufzählung seiner literaturgeschichtlichen Arbeiten nicht vergessen werden. Auch der Artikel „Theater", den er zu dem