Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1918)
- Date
- 1918-05-31
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Öffentlichkeit drang, wie die Unterstützung der jüdischen Marinesoldaten in Kiel und der jüdischen Mannschaften in Metz und anderen Orten sowie die Förderung von deren Religiosität, ferner, daß er gar häufig Gebetsversammlungen in seinem Sause aibhielt und die dazu Geladenen auf das reichlichste bedachte, dies alles war wohl das Geringste von seinen vielseitigen Humanitären Betätigungen. Aber nicht nur mit seinem Vermögen, mit dem ihn Gott begnadet hatte, übte er Werke der Liebe, seine ganze Persönlichkeit stellte er in den Dienst des jüdischen G^mlut chesed. Da -war keiner, der sich vergeblich an ihn gewendet hätte, wenn er eines Rates bedurfte: mit seinen tüchtigen kaufmännischen Kenntnissen, mit seinem durchdringenden Verstände fand er für den Hilfeheischenden zumeist den richtigen Weg, und wenn es mit dem Rate allein manchmal nicht gehen wollte, so verschaffte eine Empfehlung an einflußreiche Freunde oft dem B - drängten eine auskömmliche Stellung. Was er am meisten haßte, war, daß dieses sein edles Wirken an die große Glocke gehängt -wurde, und so handeln wir wohl im Sinne dieses Menschenfreundes, wenn wir nicht allzusehr darauf eingehen. Lassar Lewisohns Vater war der Hamburger Großkaufmann und Gemeindevorsteher Sally Lewisiohn, der das alte Haus der Talmud Thora in Hamburg stiftete. Seine Gattin entstammt dem berühmten Mainzer Hause Bondi und ist eine Tochter vom Rabbi Jonas Bondi s. A. Möge der Allgütige diese wie seinen Sohn, der ganz in den Wegen des Vaters* wandelt, trösten und in ihrem Schmerz wieder aufrichten, tzollmd. — Den Haag, im Mai. Die Einkünfte des Jüdischen Nationalfonds im April d. I. ergaben insgesamt 121 840 Francs und verteilen sich wie folgt: Oesterreich 76 477 Kronen, Deutschland 16 965 Mark. Nordamerika 2897 Dollar, südslawische Länder 14 219 Kronen, England 294.3.7 Pfund Sterling, Polen und Litauen: österreichisches -besetztes Gebiet 7532 Kronen, deutsches besetztes Gebiet 2095 Mark. Holland 2054 Gulden, Schweiz 2479 Francs, Bulgarien 3317 Leva, Australien 95.18.2 Pfund Sterling, Frankreich 2026 Francs-, Schweden 747 Kronen, Rumänien 1444 Lei, China 93 Dollar. Die Jüdische Kultusgemeinde in Mährisch-Ostrau hat sich bereit erklärt, dem Jüdischen Nationalfonds für Siedlunaszwecke in Palästina den Betrag von 50 000 Kronen in der Weise zur Verfügung zu stellen, daß sie zehn Jahre hindurch alljährlich 5000 Kronen ent den Jüdischen Nativ nalsonds abführen wird. Diese Smnme soll, soweit sie nicht durch Spenden beim Aufruf zur Tbora und eventuell Sammlungen seitens der Kultusgemeinde ausgebracht wird, aus den Kultussteuerertvägen unter dem Titel von Subventionen gedeckt werden. D'r Beschluß der Jüdischen Kultusgemeinde in Mährisch-Ostrau ist die Folge eines Ansuchens, das die österreichische Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds an sämtliche Kultusgemeinden, Rabbiner und Kultuspräsidenten zwecks Unterstützung der „Nach-lah"-Aktion gerichtet hat, wobei iede Gemeinde aufgefordert wurde, in kurzer Zeit wenigstens einen Baustein, das ist 6000 Kronen, welche dem durchschnittlichen Bodenbedarf einer jüdischen Familie in Palästina entsprechen, zusammenzubringen. — Auch andere Kultusgemeinden, insbesondere in Mähren, haben bereits die Gesuche des Jüdischen Nationalfonds mit kleineren Subventionen beantwortet. Das Beisviel von Mährisch-Ostrau ist deshalb bezeichnend, weil der -gefaßte Beschluß die palästi n asreundliche Stimmung ausdrückt, welche heute weite jüdische Kreise auch außerhalb der zionistischen Bewegung durchdrungen hak. — Unlängst ist dem Hauvtbureau des Jüdischen Nationalfonds nach längerer Unterbrechung eine .Korrespondenz aus Saloniki Zugegangen, m der es unter auderem wie folgt heißt: „Unsere Vereine, die . seit -dem Brande vom 18. Au au st beinahe nicht mehr existierten, beginnen sich zu reorganisieren. Wir werden bald ein gemeinsames Lokal haben, und wir hoffen, die Arbeit zugunsten des Nationalfonds wieder aufzunehmen, die. wie Sie wissen, vor der Katastrophe, die drei Viertel unserer Stamntesgenossen dem Elend ausgeliefert hat. einen so viel versprechenden Aufschwung genommen hatte. Natürlich können wir nicht -ebenso rei-chlich wie in der Vergangenheit zum Jüdischen Nationalfonds beisteuern, aber jedenfalls werden wir es uns zur Ehrenpflicht machen, nicht darauf zu verzichten, daß Saloniki jeden Monat in der Reihe der Länder figuriert, die an dein Wachstum unseres Volksschatzes beteiligt sind." - Der auf dem Felde der Ehre gefallene Assessor Erich Rothenberg (Bleicherode) hat als letzten Willen dem Jüdischen Nationalfonds ein Legat von 2000 Mark hinkerlafsen. Grsterreich-Anygrir. 2. Wien, 24. Mai. Der Hilssverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien (gegründet 1901 von dem Verband der israelitischen Humanitätsvereine Bne Brith für Oesterreich) veröffentlicht folgenden Bericht, der audj unsere Glaubensbrüder in Deutschland interessieren dürfte: Bei Kriegsbeginn hatten wir in Gallien 25 Arbeitsstätten, und zwar 7 für Klöppelei, 3 für Filetarbeiten und 13 für Weißstickerei. Durch den Russeneinbruch mußten sie sämtlich ausgelassen werden. Unter dent Eindruck der ersten Kriegsereignisse wurde beschlossen, 50 000 Kronen nominale österreichische Kronenrente aus'unserem Staunnverutögen zur Linderung der Not der vonr Kriege beimgesuchten jüdischen Bevölkerung Galiziens zu verwenden. Diesen Betrag führten wir der vom Verbände der Bne-Brith- Bereinigung angeregten und von diesem mit der Israeli t i sch e n Allianz und uns gemeinsam verwirklichten Hilfsaktion zu. Im Rabmen unserer bisberiaen Tätigkeit erösfneten wir im Oktober 1914 in Men eme Nähstube für Flüchtlinge, in der zunächst-aus uns gespendeten Stoffen 3369 Wäschestücke verfertigt wurden, die wir gemeinnützigen Anstalten für Flüchtlinge schenkten. Die Arbeitslöhne bestritten wir aus unseren Mitteln. Ueberdies wurden in dieser Näbstube für das k. k. Gewerbeförderungsamt in Wien 86 000 Stück Militärwäsche (Hemden und Hosen) hergestellt. Zu den hieraus erwachsenen Auslagen leistete uns das k. k. Ministerium für öffentliche Arbeiten einen Ersatz von 2500 Kronen. Den Flüchtlingsfrauen nnd -mädchen, die entweder nicht maschinennähen konnten oder an ihr Seim gebunden waren, boten wir zur selben Zeit Heimarbeit in der Häkelei und Weißstickerei. Es sandelt ht der Häkelei 106 undin der Weißstickerei 242 Personen Beschäftigltng. Im Jahre 1915 trat das k. k. Ministerium des Innern an uns heralt, iit Wien eilte mit einer Näbsckule verbundene Nöbsttlbe zur Erzeugung von Zivilwäsche für Flüchtlinge auf Staatskosten zu errichten. Diese kam in den ersten Tagen des März 1915 in Betrieb und wurde am 30. Juni 1916 geschlossen. Es lvaren darin int ganzen 318 Flüchtlinassrauen und -Mädchen, darunter 165 Schülerinnen, beschäftigt. Fertiggestellt wurden 115 377 Wäschestücke. Sämtliche Kosten im Betrage von 256 621.42 Kronen (darunter für den Ankauf von Material 215 731,92 Kronen und für Arbeitslöhne 22 678,10 Kronen) wurden uns aus Staatsmitteln ersetzt. Aus unser An fl'che n bot daA k. k. Ackerbauministerium trns seinen Konsulenten sür Geflügelzucht und Geflügelhaltung für Ftücktlinae zur Verfügung gestellt. Dadurch soll den Flüchtlingen nach Rückkehr in ihre Heimat eilte neue Erwerbsquelle erschlossen werden. Der Kurs fand in den Monaten Juni tlnd Juli 1916 statt tlnd wurde von 30 Personen besltcht. Mit unserer Tätigkeit für die außerhalb Wiens weilenden Flüchtlinge konnten wir erst rm Jahre 1916 entsetzen. da. solange sie in Barackenlagern untergebracht waren, die Staatsverwaltung für deren Beschäftigung zu sorgen hatte und auch sorgte. Wir griffen erst ein. nachdem die Flüchtlinge, aus den Barackenlagern in verschiedene Bezirke Westöst-err-eichs verteilt worden waren. Wir faßten sür sie die Haarnetzerei und die Filettechnik als Erwerbszweige ins Auge, da für diese Arbeiten noch Material Vorbanden war. Zur Heranbildung von Lehrerinnen für letztere Technik aus den Kreisen der jüdischen Flüchtlinge ließen wir durch die k. k. Anstalt für Frauenhausindustrie in Wien einen besonderen Kurs veranstalten. Der größte Teil der Kursbesucherinnnen fand bei uns Anstellung. Ende Dezember 1916 hatten wir bereits in 12 Flüchtlings-Aufenhaltsbezirken teils Filet-, teils Haarnetzarbeiten eingeführt. Im Jahre 1917 kamen 30 Bezirke in Böhmen, Mähren, Schlesien und Steiermark dazu, dagegen 11 aus verschiedenen Gründen in Abfall. Wir hatten somit Ende 1917 in diesen Ländern 31 Arbeitsstätten im Betrieb. Was Galizien, unser eigentliches Tätigkeitsgebiet, betrifft, haben wir, bald nachdem infolge des Durchsbruches bei Gorlice, eine Anzahl gauzischer Bezirke aus dent engen Kriegsgebiete ausgeschieden worden war, in die befreiten Gegenden Arbeit gebracht. Ende 1916 Hattert wir in Galizien wieder 19 Arbeitsstätten. Im Jahre 1917 kamen 5 dazu, dagegen . fielen 3 ab, so daß Ende 1917 ihr Stand 21 betrug. Innerhalb und außerhalb Galiziens hatten wir somit Ende 1917 52 Arbeitsstätten. Hiervon entfielen ans Filetarbeiten 20, auf Haarnetzerei 19, Weißstickerei 6, Klöppelei 4 und Perlenarbeiten 3. An Arbeitslöhnen wurden in diesen Industrien im Jahre 1916 41 418,46 Kronen, dagegen int Jahre 1917 96 364,53 Kronen au tz-bezahlt. Irrt Jahre 1918 sind bisher 2 Arbeitsstätten für Filettlnd 3 für Haararbeiten neu